Volltext: Ueber unwillkürliches Flüstern (11)

Ueber unwillkürliches Flüstern. 
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zwischen den Brennpunkten. Die Höhe über dem Boden wurde 
so gewählt, dass eine Person, bequem sitzend, ihren Kopf im Brenn¬ 
punkte halten konnte. Unsere Versuche wurden ausschließlich mit 
zweistelligen Zahlen ausgeführt. In einem kleinen Sack hatten wir 
ein gewöhnliches Lottospiel, mit den Nummern 91 bis 99 vervoll¬ 
ständigt, und hieraus wurde immer aufs Gerathewohl eine Zahl ge¬ 
zogen. Als Absender (Agent) und Empfänger (Percipient) dienten 
abwechselnd Herr F. C. C. Hansen, prakt. Arzt, und ich selbst; 
andere Personen waren überhaupt nicht anwesend, um die Möglich¬ 
keit auszuschließen, dass dem Empfänger unwillkürlich Hülfe ge¬ 
leistet werde. Die Versuche wurden im Laboratorium, größtentheils 
Vormittags, ausgeführt; wegen der Lage des Gebäudes konnten wir 
indessen, selbst zu dieser Tageszeit, auf eine fast vollständige Stille 
rechnen. Von Hypnotisirung war bei diesen Versuchen natürlicher 
Weise gar keine Rede; die Hohlspiegel sollten ja eben, durch Con¬ 
centration der »Strahlen«, die Hyperästhesie des Hypnotisirten über¬ 
flüssig machen. Sowohl der Absender als der Empfänger saßen 
deshalb, jeder in dem Brennpunkte eines Spiegels, das Gesicht dem 
Spiegel zugekehrt. In dieser Stellung war es dem Percipienten un¬ 
möglich, direct oder indirect, durch Spiegelung, die Zahl zu sehen,, 
welche vom Absender ausgezogen und betrachtet wurde. 
Der Empfänger bemühte sich stets, jeden willkürlichen Gedanken 
zu unterdrücken, so dass er, möglichst gedankenleer, das Kommen 
der Bilder abwarten konnte. Nach dem Verlaufe von 5 bis 10 Min. 
fingen dann wirklich Zahlenbilder an ins Bewusstsein aufzusteigen ; 
wenn sie eine gewisse Stabilität erreicht hatten, wurden sie auf¬ 
gezeichnet, und erst danach wurde die gezeichnete mit der aus¬ 
gezogenen Zahl verglichen. Es stellte sich übrigens bald heraus, 
dass nur ich als Empfänger brauchbar war; bei Herrn H., dessen 
Gesichtsbilder immer sehr undeutlich sind, nahmen auch die Zahlen¬ 
bilder keine feste Form an, so dass er sie nicht angeben konnte. 
Dessenungeachtet wechselten wir immer unsere Rollen als Ab¬ 
sender und Empfänger, um der Ermüdung zu entgehen. Auf diese 
Weise machten wir 15 Versuche, deren Resultate uns, anfangs 
wenigstens, sehr überraschten. Bald zeigte es sich aber, dass die 
Uebereinstimmungen ganz illusorisch waren. Ich gehe jedoch auf 
unsere Resultate etwas näher ein, weil sie ein nicht uninteressantes 
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