Bauhaus-Universität Weimar

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Theodor Heller. 
Bezeichnung des Textes 
Braille¬ 
schrift 
Klein¬ 
schrift 
Poetischer Text: Itückcrt, »Am 
19. October 1816« 
140 
77 
Prosaischer Text: Krummacher, 
»Der blühende Weinstock« 
159 
106 
Sinnvolle zweisilbige Wörter 
92 
43 
Sinnlose zweisilbige Wörter 
68 
39 
Ein besonderes Augenmerk richtete ich auf die bei den Lese¬ 
versuchen vorkommenden Verlesungen. Hierfür wurden zwei beson¬ 
dere Zusammenstellungen verwendet, deren erste wieder zweisilbige 
sinnvolle, deren zweite zweisilbige sinnlose Wörter umfasste. Es 
ergaben sich dabei folgende allgemeine Gesichtspunkte: 
1) Die relative Zahl der Verlesungen war bei der Verwen¬ 
dung der Brailleschrift größer als bei der Verwendung der Klein¬ 
schrift. Eine bestimmte Beziehung zur Schnelligkeit des Lesens 
ließ sich nicht entdecken. Häufig verlasen sich die langsam 
lesenden öfter als die rasch lesenden Versuchspersonen. 
2) Es ist nicht gleichgültig, ob man von derselben Versuchs¬ 
person die sinnlosen oder die sinnvollen Wörter zuerst lesen lässt. 
Im ersten Falle zeigt sich eine Zunahme der Verlesungen. 
3) Die Verlesungen bezogen sich fast nie auf den Anfang, 
sondern in der Regel auf die Mitte oder das Ende der Wörter. 
4) In Bezug auf die erste Versuchsreihe zeigte sich häufig, 
dass die Blinden bestrebt waren, einen inneren Zusammenhang 
zwischen den gelesenen Wörtern herzustellen. Dieselben wurden 
hierbei in einzelne Gruppen zerlegt, von welchen einige gedächtniss- 
mäßig festgehalten werden konnten. Nicht selten ereignete es 
sich, dass die Blinden dem Gang jener naheliegenden Associa¬ 
tionen folgten, die bei der Auswahl des Lesestoffes wirksam ge¬ 
wesen waren. 
5) Zahlreiche Verlesungen lassen sich auf den Einfluss dieser 
Associationen zurückführen. So folgten z. B. an einer Stelle die
        

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