Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber geometrisch-optische Täuschungen [In drei Teilen]
Person:
Thiéry, Armand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4531/9/
Ueber geometrisch-optisehe Täuschungen. 
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streifen zu stehen und sich in Ebenen zu befinden, welche mit der 
Ebene des Blattes einen Winkel von 45° bildeten, so dass sie ein¬ 
ander abwechselnd oberhalb und unterhalb der Ebene des Papier¬ 
blattes begegneten. Es gibt dann einen auffallenden stereoskopischen 
Effect derart, dass wir die Zeichnung auf einem längsgefalteten 
Blatte zu sehen glauben; die Querstriche scheinen mit ihren oberen 
Hälften gegen die Kämme, mit ihren unteren gegen die Thäler 
der Falten gerichtet. 
Zur Erklärung des Versuches von Helmholtz und Guye 
wollen wir ein von Wundt auf dem Gebiete der Nachbilder aus¬ 
geführtes Experiment in Erinnerung bringen. 
Wundt’scher Versuch1). Der Wundt’sche Versuch ist 
folgender : Man fixirt monocular eine in einer etwas schiefen Ebene 
sich befindende Linie so lange, bis man ein Nachbild dieser Linie 
erhält. Für jedes Auge ist die Linie eine andere, d. h. für das 
rechte Auge ist die Linie nach rechts geneigt und für das linke 
nach links, so dass die Nachbilder der zwei Augen sich kreuzen. 
Wird nun die Ebene um eine horizontale Achse gedreht, so fallen 
die zwei Halbbilder in ein verticales Bild zusammen. Die schein¬ 
bare Drehung der Linien ist in dem Helmholtz’schen Versuche 
dieselbe wie die wirkliche Drehung im Wundt’sehen Experimente. 
Die Netzhautbilder, die wir auf Flächen projiciren, werden verändert 
je nach den Abständen und den Oberflächen, auf welche die Pro¬ 
jection stattfindet. Es ist z. B. eine wohlbekannte Thatsache, dass 
das Nachbild einer Kerze sehr klein und sehr glänzend erscheint, 
wenn das Bild auf die Hand projicirt wird ; dagegen sehr groß und 
wenig glänzend, wenn die Projectionsebene eine weit abstehende 
Wand ist. Wir haben den Versuch variirt. Ein Diaphragma von 
1 mm war an ein cylindrisches Bohr von 4 cm Länge und 3,5 cm 
Durchmesser befestigt. Das eine Auge betrachtete durch dieses 
Ocular einen Gegenstand, den wir zu gleicher Zeit auch mit dem 
andern Auge fixirten. Das ganze Sehfeld bietet alsdann an der 
durch das Ocular gesehenen Stelle einen stärker beleuchteten Kreis, 
so als ob die Sonne dorthin ein cylinderförmiges Strahlenbündel aus¬ 
gesendet hätte. Wir haben auf diese Weise verschiedene Gegen- 
1) Physiol. Psychol. 4. Aufl. Bd. II, S. 196.
        

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