Volltext: Ueber geometrisch-optische Täuschungen [In drei Teilen] (11)

Ueber geometrisch-optische Täuschungen. 
365 
punkte entfernteren Theile derselben besonders fixiren. In der Nähe 
der schwarzen Linie erscheint dann die Transversale so eingehogen, 
wie wir etwas übertrieben in Fig. 19B gezeichnet haben; während 
zugleich, wie Helmholtz fand, die vom Scheitelpunkte entfern¬ 
teren Enden der transversalen Linie ganz richtig als Verlänge¬ 
rungen von einander erscheinen, so dass nur durch jene Ein¬ 
biegungen in der Nähe der sie schnei¬ 
denden starken Linie der Schein entsteht, 
als träfen sie nicht aufeinander1). Es ist zu 
vermuthen, dass schon die Griechen sich 
hiervon Rechenschaft gegeben haben, indem 
sie an der Stirnseite der Tempel die schrägen 
Kanten (Geisa) des Giebels gegen ihre 
unteren Enden hin abflachten2), so dass 
durch diese objective Krümmung die beiden 
schrägen Geisa in ihrer ganzen Ausdehnung 
als genau gerade erscheinen3). 
Größe des obern und untern Thei- 
les der Transversalen. Falls die Stücke 
der Transversalen ungleich sind und zwar 
7,5 cm und 2,5 cm, so haben wir gesehen, Fig. 19. 
dass die Täuschung ein wenig stärker ist, 
wenn das kleinere Stück sich oben an der Figur befindet. (Tab. XIII.) 
Der gewöhnlichen Perspective gemäß verknüpft sich der Ein¬ 
druck der Entfernung leichter mit dem Ende, welches gegen die 
Höhe der Figur gerichtet ist, und dies wird leichter sein, wenn 
dieser Theil eine geringere Größe hat. Wir werden später auf die 
Thatsache zurückkommen, dass die obere Hälfte des Sehfeldes ge¬ 
wöhnlich entfernteren Gegenständen entspricht. Wir haben außer¬ 
dem gesehen, dass diese Ansicht von Hering stereoskopisch beob¬ 
achtet wurde, und nicht die umgekehrte, in welcher der untere 
Theil hinter die Zeichnungsebene zurück und der obere Theil vor 
1) Phys. Opt. I. S. 564. 
2) Vergl. Hoffer, Forster’s Bauzeitung, 1838 S. 388. 
3) Wir sprechen hier bloß von der Krümmung der schrägen Kanten; von 
der Krümmung der horizontalen Kante an demselben Giebeldreiecke werden wir 
später eine andere Erklärung kennen lernen.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.