Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber geometrisch-optische Täuschungen [In drei Teilen]
Person:
Thiéry, Armand
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4531/3/
Ueber geometrisch-optische Täuschungen., 
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einer sehr hellen Stuhe; die eine Wand war mit zwei Fenstern und 
die anstoßende Wand mit einer nach einer Terrasse gehenden Glas- 
thüre versehen. Die Beobachtungen fielen regelmäßig in dieselben 
Nachmittagsstunden, und wir hielten darauf, an einer großen An¬ 
zahl von Beobachtern zu experimentiren, um den Beobachtungen 
die größte Zuverlässigkeit zu geben. Unter den Beobachtern, welche 
die Güte hatten, mir ihre geschätzte Mitwirkung angedeihen zu 
lassen, waren viele dazu von Natur aus ganz besonders gut bean- 
lagt, so z. B. Herr Dr. E. Meumann, welcher über Aesthetik und 
Experimentalpsychologie liest und überdies ein geübter Zeichner ist, 
und Herr Dr. Cohn, der sich durch psychologische Untersuchungen 
über das ästhetische Gefühl bei Farbencombinationen bekannt ge¬ 
macht hat. Beide sind überdies geübte Beobachter, ebenso die 
Herren Stud. Ar rer und Heller, von denen der erste Untersuchungen 
über die Wahrnehmung der Tiefe oder Entfernung der Gegenstände 
mittelst der Convergenz- und Accommodationsbewegungen, der zweite 
solche über die Wahrnehmung der Formen und Größen der Gegen¬ 
stände mittelst des Tastsinns bei Blinden anstellte. Einige andere 
Beobachter, wie z. B. Herr Eleutheropoulos, hatten sich mit ähn¬ 
lichen Arbeiten noch nicht beschäftigt. Selbstverständlich war keiner 
der Beobachter von den Fragen im voraus benachrichtigt worden, 
um deren Beantwortung es sich handelte, um ihre Beobachtungen 
von theoretischen Vorurtheilen frei zu erhalten. Aus demselben 
Grunde habe ich selbst keine systematischen Beobachtungen aus¬ 
geführt, sondern meine Bolle streng darauf beschränkt, die Beihen- 
folge der Urtheile aufzuzeichnen. 
Methoden und Apparate. Die Beobachter, welche über 
Täuschungen experimentirten, haben sich in der Begel sehr kleiner 
Figuren bedient. Wir zogen vor, größere Figuren anzuwenden. 
Wenn auch durch kleine Dimensionen das Experiment erleichtert 
und Zeit erspart wird, so bringen sie doch bedenkliche Nachtheile 
mit sich, denn es werden dadurch genaue Feststellungen erschwert, 
und es können dabei die kleinen beim Ablesen begangenen abso¬ 
luten Irrthümer einen verhältnissmäßig bedeutenden Bruchtheil der 
Figuren darstellen. Für viele unserer Figuren zählten wir daher 
Dimensionen, welche 15—30 cm betrugen. Die Figuren werden mit 
Contéstiften auf gekörntem Bristolpapier von 60 und 45 cm gezeichnet; 
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