Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeitschwellen gleichartiger und disparater Sinneseindrücke
Person:
Weyer, Eduard M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4521/3/
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Eduard Moffat Weyer. 
genommen werden; er bezeichnet dieselbe als »kleinste Differenz«. 
Die Verschiedenheiten dieser Zeitschwellen formulirt er folgender¬ 
maßen: »Die Sinneseindrücke können nacheinander dieselben Sinnes¬ 
elemente treffen, sie können verschiedene Elemente desselben Sinnes¬ 
organes treffen, sie können analoge Elemente eines paarigen Sinnes¬ 
organes, und endlich Elemente verschiedener Sinnesorgane treffen«1). 
Zur Ermittelung der Zeitschwellen für die Gesichtsempfindung, 
die er für Netzhautcentrum und Netzhautpei-ipherie verschieden fand, 
benutzte er theils einen elektrischen Funken, theils zwei Lichtpunkte, 
von der Flamme eines Gasrundbrenners ausgehend, die durch zwei 
benachbarte Lücken einer stenopäischen Brille ins Auge fiel, mit 
welcher Anordnung eine verschieden schnell rotirende Scheibe mit 
Ausschnitt zum Behuf intermittirender Netzhautreizung verbunden 
wurde. Als Hülfsmittel bei der Untersuchung des Gehörssinnes 
dienten ein Savart’sches Bad und die von überspringenden Funken 
erzeugten Geräusche. Beide Untersuchungsarten lieferten gleiche Er- 
gebnisse, nur waren die der letzteren Art genauer. Auch wurde das 
Urtheil nicht geändert, wenn statt des gewöhnlich gebrauchten Blei¬ 
streifens als Feder für das Bad, worauf die Zähne desselben stoßen, 
ein Streifen von Messing, Kartenblatt oder Holz verwendet wurde. 
Exner schreibt: »Die Grenze, bei welcher ich die beiden Funken 
bisweilen noch als zwei erkenne, bisweilen auch nicht mehr, hegt 
bei 0,00198 Secunden Differenz. Bei 0,00205 Secunden Differenz ist 
der Doppelschlag schon vollkommen deutlich als solcher zu erkennen«2). 
Bei gleichzeitiger Beizung des Gesichts- und Gehörssinnes waren die 
Beize für den ersteren überspringende Funken, für den letzteren ein 
Glockensignal. Für den Tastsinn war der Beiz ein zu dem Zeige- 
und Mittelfinger geleiteter Inductionsstrom, der nach der von Exner 
beschriebenen Wirkung höchst wahrscheinlich stärker als der von 
mir benutzte war. Zur genauen Herstellung und Messung der 
Intervalle diente eine von dem Helmholtz’schen Botations-Appa- 
rate3) getragene Scheibe, die ähnlich wie bei dem von Wundt an¬ 
gegebenen Zeitsinn-Apparate4) eine unabhängige Verschiebung zweier 
1) a. a. O. S. 405. 2) a. a. O. S. 417. 
3) Eine Beschreibung dieses Apparates findet man in Sitzungsber. d. Wiener 
Acad. Math.-naturw. 01. 2. Bd. LVHI. S. 601. 
4) Wundt, Grundzüge der Physiol. Psychol. 4. Aufl. Bd. II. S. 421 ff.
        

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