Bauhaus-Universität Weimar

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F. Kiesovv. 
Papille zur Zeit zu erregen, um zu sehen, wie der Geschmackssinn 
dieser Papillen beschaffen ist. Wenn eine jede von ihnen die Trägerin 
einer größeren oder kleineren Anzahl von Geschmacksendapparaten 
ist, so können diese natürlich einander entweder gleichartig oder 
ungleichartig sein. In ersterem Falle würden die einzelnen pilzför¬ 
migen Papillen nach der Theorie große Verschiedenheiten bieten; 
einige müssten nur bitteren Geschmack, andere nur süßen u. s. w. 
empfinden. Die Aehnlichkeiten in dem Bau der pilzförmigen Papillen 
mit dem der Papillae circumvallatae, welche letzteren als eine höhere 
Entwickelungsform der ersteren betrachtet werden können, schienen 
indessen eher zu der letzteren Annahme zu berechtigen, nämlich dass 
eine jede der pilzförmigen Papillen mit mehreren verschiedenen Arten 
von Endapparaten versehen ist, ebensowohl wie die Papillae circum¬ 
vallatae es sein müssen, denn die letzteren reagiren bekanntlich auf 
Bitter, Süß, Salzig und Sauer. Es ließe sich indessen denken, dass 
diese Vertheilung der verschiedenen Arten von Endapparaten nicht 
völlig regelmäßig wäre, und in diesem Falle müssten die verschiedenen 
pilzförmigen Papillen jedenfalls functionelle Verschiedenheiten zeigen, 
deren Erforschung wohl eines Versuchs werth sein könnte1).« Nach 
einigen Vorversuchen lieferte dann eine erstmalige Prüfung an zwei 
beliebig ausgewählten Papillen, die aus 32 Einzelversuchen bestand 
und mit 0,05 proc. salzsaurem Strychnin, 20 proc. Kochsalz, 10 proc. 
Zucker und 4 proc. Salzsäure hei unwissentlichem Verfahren aus¬ 
geführt wurde, ein ermuthigendes Ergehniss. Es wurden nämlich bei 
diesen Versuchen nur in zwei Fällen Fehlangahen gemacht. O elir- 
wall verwandte hier, wie hei allen ferneren Versuchen, einen Hohl¬ 
spiegel und applicirte die Schmecksubstanzen mittelst passend zuge¬ 
stutzter Pinsel. Beide der erwähnten Papillen reagirten auf Salzsäure, 
aber nicht auf Kochsalz, es reagirte ferner die eine nur auf Zucker 
und die andere nur auf Strychnin. Aus diesem Ergebniss war noch 
nicht auf die Unempfindlichkeit dieser Papillen für Süß, resp. für 
Sauer zu schließen; denn, wie sich auch später zeigte, war es nicht 
ausgeschlossen, dass concentrirtere Lösungen die betreffende Sensation 
auf denselben hervorrufen würden. Allein der Versuch ergab zweifel¬ 
los, dass die eine dieser Papillen mehr für Bitter, die andere mehr für 
1) Citirte Arbeit, S. 411.
        

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