Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber Raumwahrnehmung beim monocularen indirecten Sehen
Person:
Müller, Robert
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4514/16/
Ueber Raumwahrnehmung' beim monoeularen indirecten Sehen. 417 
iiben wird, wenn uns auch die Abstufung unserer Empfindung keines¬ 
wegs eine Kontrolle derselben gestattet, was einem allgemeinen 
psychischen Verhalten entspricht, wonach continuirliclie Empfindungs¬ 
änderungen nur dann wahrgenommen werden, wenn sie einen be¬ 
stimmten Werth im Verhältnis zur ursprünglichen Heizung erreichen. 
Dies täuscht uns beim Uehergang auf periphere Netzhautzonen auch 
eine stetige Empfindungsänderung vor, während dieselbe von einem 
percipirenden Elemente zum anderen discontinuirlich stattfindet. So 
besteht der Einfluss der Uebung darin, dass wir jene Aenderungen 
feiner wahmehmen lernen, während die Perceptionsverhältnisse für 
die einzelnen Elemente dieselben bleiben. Welches dabei die ana¬ 
tomischen Verhältnisse der peripheren Endorgane sind, bleibt für die 
Wahrnehmungsvorgänge gleichgültig und wird erst wesentlich für die 
Theorie der Sinnesempfindungen. 
Diese Feinheit der Empfindungsabstufung behauptet nun Wundt 
auch für die Muskelempfindungen, und beweist es mittelst der Gruppe 
von optischen Täuschungen, die auf verschiedene Innervationsgröße 
zurückzuführen sind1). Ferner haben wir in den Lageverhältnissen 
der Doppelbilder bei Augenmuskellähmungen ein auch klinisch viel 
benutztes Hülfsmittel zur Messung der Innervationsgrößen, wie es 
uns sonst nirgends wieder in der Muskelphysiologie zur Verfügung 
steht2 3), woraus Wundt schließt, dass die Muskelempfindung ein 
directes Maß für die Größe der von den Sehachsen zurückgelegten 
Wege ist. Allerdings beweisen die oben erwähnten Täuschungen, 
dass die Muskelempfindungen unmittelbar vergleichbar nur bei Be¬ 
wegungen in bestimmten Orientirungen sind, wobei, wie es scheinen 
möchte, vor allein die Bewegungen aus der Primärlage in Betracht 
kommen. Dabei ist aber die Annahme unwahrscheinlich, es handle 
sich um qualitative Verschiedenheiten der Muskelempfindungen, viel¬ 
mehr lässt schon die Betheiligung derselben Muskeln an den ver¬ 
schiedensten Augenbewegungen nur eine intensive Abstufung der 
Bewegungsempfindungen vermuthen, wie dies Wundt formulirt:i): 
1) W. Wundt, Physiol. Psychol. 4. Aufl. Bd. II. S. 131—142. 
2) Vergl. die von Wundt herbeigezogene Arbeit A. v. Graefe’s, Ueber 
Abducenslähmungen. Arch. f. Ophthalm. I, 1; ferner das von Landolt gegebene 
Schema der Augenlähmungen. 
3) Beiträge zur Theorie der Sinneswahrnehmung. S. 162.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.