Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Grundlagen der Mathematik, Fortsetzung zu Band XI, S. 306
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4510/16/
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Gotti. Friedr. Lipps. 
auf die Beziehungsurtheile das Pehlen einer Beziehung ausdrücklich 
hervorgehohen werden, so kann die Aussage nur lauten: a ist nichts 
anderes als a und bleibt dieses a. Man gelangt dann zum rein 
identischen Urtheil oder zur Gleichung a = a. 
Da jeder Act des beziehenden Denkens a a — das Apper- 
cipiren des Grundes, der Folge und des Zusammenseins von Grund 
und Folge, nämlich u{ia = a ; afia\ = ; a0|A, = [a, o-J, mit 
sich führt, so schließt jedes Beziehungsurtheil Existenzialurtheile ein. 
So enthält das Urtheil »die Bose ist roth« die Urtheile »es gibt 
einen Bewusstseinsinhalt Bose«, »roth«, »rothe Bose«. 
Der aus irgend einem einzelnen Denkacte resultirende Erkennt- 
nissinhalt findet somit in einem Existenzialurtheil oder Bezie¬ 
hungsurtheil seinen Ausdruck, je nachdem er auf einem Apper- 
ceptionsact oder einem Act des nach Grund und Folge 
verknüpfenden Denkens beruht. 
Liegt nun eine zusammenhängende Beihe von Acten des be- 
, ziehenden Denkens vor, so treten mittelbare Beziehungen neben den 
unmittelbaren auf. Es versteht sich von selbst, dass auch das Er¬ 
kennen einer mittelbaren Beziehung in einem Urtheil sich vollzieht. 
Letzteres stellt sich als Conclusion eines Schlusses dar, dessen Prä¬ 
missen die Urtheile der zugehörigen unmittelbaren Beziehungen sind. 
Zugleich erhellt, dass den drei Arten der mittelbaren Beziehungen, 
die aus zwei zusammenhängenden Denkacten sich ergeben können, 
die drei von Aristoteles aufgestellten Schlussfiguren1) entsprechen. 
Ist die mittelbare Beziehung von der ersten Art, so ist sie durch 
einen zusammengesetzten Act des beziehenden Denkens erzeughar. 
Ihr Erkenntnissinhalt besteht in gleicher Weise wie derjenige der 
unmittelbaren Beziehungen in einer Verknüpfung nach Grund und 
Folge und findet demgemäß in einem Beziehungsurtheil seinen Aus¬ 
druck. Die mittelbaren Beziehungen zweiter und dritter Art da¬ 
gegen enthalten, wofern sie nicht als solche der ersten Art inter- 
pretirt werden können, das Zusammensein zweier Folgen und , 
1) Erste Analytiken; I. Buch, Cap. 4, 5, 6. Die Abweichung von der Aristo¬ 
telischen, in der Logik üblichen Auffassungsweise der zweiten und dritten Eigur, 
wonach oben ihre Bedeutung in der Begründung eines Existenzialurtheils gesucht 
wird, rechtfertigt sich wohl von selbst durch den Zusammenhang, in welchem sie 
auftritt.
        

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