Bauhaus-Universität Weimar

Der Willensbegriff in der Lehre Spinoza’s. 
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Affectionen begreifen und weiter nichts«, aber damit ist speciell für 
den unendlichen Verstand kein näheres Kriterium gewonnen. 
Wir werden ihn nun — unter Berücksichtigung einer späteren 
Stelle im 5. Theil — aufzufassen haben als die Summe all der 
ewigen Einzelintellecte. Alle Wesenheiten der Dinge sind ja 
nach Spinoza in gewissem Sinne außerzeitlich, d. h. ewig, und man 
hat insofern ein Recht, die Wesenheiten der Dinge im Sinne Spi¬ 
noza’s zu den ewigen Modificationen zu rechnen1). Dann würde 
die Summe dieser ewigen mittelbaren Verstandesmodi eben den un¬ 
endlichen Verstand ergeben; so nimmt denn Spinoza auch wirklich 
auf den ersten Lehrsatz von den unendlich-ewigen Modificationen 
Bezug, wenn er gegen den Schluss des Hauptwerks schreibt: »hieraus 
und zugleich aus der 21. Proposition des 1. Theils (in der eben von 
den unendlichen Modificationen die Rede ist) und anderen erhellt, 
dass unsere Seele, soweit sie erkennt, ein ewiger Modus des Be¬ 
wusstseins ist, der von einem anderen ewigen Modus des Bewusstseins 
bestimmt wird, und der wiederum von einem anderen, und so ins 
unendliche fort, sodass alle zusammen den ewigen und un¬ 
endlichen Verstand Gottes ausmachen«2). Diese unendliche 
Summe kann aber nun nichts anderes sein, als was Spinoza sonst 
auch wohl »die Vorstellung, die Gott von sich selber hat«, 
nennt. »In Gott gibt es nothwendig eine Vorstellung (idea) sowohl 
von seinem Wesen, wie von dem, was aus seinem Wesen nothwendig 
folgt3).« Diese ist einzig, da Gott einzig ist4). Aus der nothwen- 
digen Beschaffenheit dieser Vorstellung erhellt aber unmittelbar ihre 
rein theoretische Natur und somit auch der Ausschluss aller 
Willenselemente aus dem unendlichen Verstände und da¬ 
mit aus den unendlichen und ewigen Modificationen über¬ 
haupt. Denn trotz aller Vorsicht, mit der wir diese »Idea« als 
unmittelbare Ableitung aus dem allgemeinen Bewusstsein mit »Be¬ 
wusstseinsbestimmtheit« wiedergeben mögen, so folgt doch ihre 
Auffassung rein als Vorstellung im streng Spinozischen Sinne 
aus zweierlei Gründen: Sie kann den Willen nicht einmal als 
1) C amer er: Die Lehre Spinoza’s, S. 26 ff. 
2) Ethik Y, Pr. XL, Sch. 3) Ethik H, Pr. HI. 
4) Ethik II, Pr. IV.
        

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