Bauhaus-Universität Weimar

Volumpulscurven bei Gefühlen und Affecten. 743 
C. Die Volumcurve unter dem vereinten Einflüsse der 
Gefühle der Spannung und Thätigkeit. 
Bei den bisher beschriebenen Gefühlen und ihren Wirkungen war 
ihre Isolirung nicht allzu schwer; man ist sehr leicht im stände, mit 
einiger Uebung ein reines Spannungs- oder Lösungsgefühl in sich zu 
erzeugen und in der Selbstbeobachtung aufzufinden. Anders verhält 
es sich dagegen mit denjenigen Gefühlen, deren Besprechung nun¬ 
mehr begonnen werden soll ; ihre Reindarstellung ist fast aussichtslos, 
weil immer zum mindesten das Spannungsgefühl sie begleitet. Daher 
ist nunmehr die Aufgabe, in der Yolumcurve Wirkungen elementarer 
Gefühle zu suchen, kaum lösbar. Es soll deshalb hier zunächst die 
Untersuchung desjenigen Gefühlscomplexes in Angriff genommen wer¬ 
den, den man gewöhnlich als den der »Concentration der Aufmerk¬ 
samkeit« oder als »Tliätigkeitsgefühl« bezeichnet. Man pflegt ihn durch 
Gehörs- und Gesichtseindrücke zu erzeugen, z. B. durch Zählen einer 
Anzahl unregelmäßig durcheinander gezeichneter Punkte auf einem 
weißen Blatt Papier, durch die Aufgabe von Rechenexempeln. Ich 
wandte nur diese Reize an, weil sie völlig für den vorliegenden Zweck 
ausreichen. Sobald die gestellte Aufgabe gelöst war, gab die Ver¬ 
suchsperson ein leises »Hm« von sich, und der Versuch war beendet. 
Wenn Thätigkeits- und Spannungsgefühl Zusammenwirken, so wird 
man in der Yolumcurve die Resultante derselben zu erblicken haben. 
Nun ist nach den vorhergehenden Erörterungen aber nur die 
Wirkung des Spannungsgefühles bekannt, nicht die des reinen 
Thätigkeitsgefühls, und es ist somit noch nicht einmal möglich, von 
einer solchen für das letztere zu reden. Wohl aber lässt sich seine 
physiologische Wirkung aus den in Erage kommenden Curven er¬ 
schließen und recht gut erkennen, wenn eben auch nicht isolirt. Es 
fiel mir hei der Bearbeitung solcher Curven, an deren Gestaltung 
als Reize Rechenaufgaben betheiligt waren, auf, dass die Pulslängen 
der Reizphasen bald länger als die vorhergehenden, bald kürzer waren, 
ohne dass sich zunächst ein sichtbarer Grund dafür finden ließ. Es 
wechselte das Längenverhältniss je nachdem die Pulse der vorher¬ 
gehenden Phase hoch oder niedrig waren, oder leichte Athem- 
schwankungen sie durchzogen, oder Undulationen auftraten. Auch 
die Affirming war durchaus unverdächtig. Das Spannungsgefühl
        

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