Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Fechner-Helmholtz'sche Satz über negative Nachbilder und seine Analogien, Fortsetzung und Schluss
Person:
Wirth, Wihelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4505/106/
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Wilhelm Wirth. 
die Beimischung, so dass das gleiche Aussehen der Mischung ohne 
Rücksicht auf ihre physikalische Herstellung an und für sich zum 
gleichen Endeffect auch nach Entstehung der » Ermüdung « hin¬ 
reichen muss. Auch die Aehnlichkeit der Werthe des negativen 
Nachbildes auf allen beliebigen reagirenden Farbentönen wäre leicht 
zu erledigen, wenn es sich um eine spontane Beimischung handelt. 
Hingegen fehlt der Hypothese in dieser Form noch durchaus die Er¬ 
klärung der Abhängigkeit dieser secundären Beimischung vom reagi¬ 
renden Reiz, d. h. also die Subsumption des Eechner-Helmholtz- 
schen Satzes. Eine spontane secundäre Dissociation, wie sie von 
Don der s angenommen wurde, müsste doch eine größere Annäherung 
an eine ungefähre Constanz des Werthes bei allen Reactionsreizen her¬ 
beiführen, wie es allerdings früher ohne quantitative Bestimmungen noch 
nicht mit Sicherheit verneint werden konnte. Das secundäre Farbensub¬ 
strat, welches durch die Restbestände auf Grund einseitiger Reizung 
gegeben und daher in gewisser Weise als ein abnormes zu bezeichnen 
ist, darf überhaupt nur nach Maßgabe der neuen reagirenden Reize 
in Action treten1). Wie dieses secundäre Substrat des Näheren zu 
denken ist, wäre natürlich ein rein physiologisch-chemisches Problem 
und kann auch hier die subjective Methode nur die formalen Prin- 
cipien an die Hand gehen. Hiernach muss also die dem secundären 
Substrat entsprechende Qualität ausschließlich in der Nachbildfarbe, 
d. h. in der Complementärfarbe zur ermüdenden, bestehen. Hieraus 
könnte aber vielleicht abgeleitet werden, dass es nun doch wiederum 
nur den ihm besonders adäquaten Reizen porportional in 
Action treten würde. Die subjective Nachbildfarbe selbst sowohl 
wie die physiologische Zurückführung auf Restsubstrate und dergl. wiir- 
i) Das nämliche gilt natürlich auch bezüglich aller andern theilweise noch 
früheren Versuche, das negative Nachbild als eine selbständige spontane Erregung 
ohne Rücksicht auf den reagirenden Reiz aufzufassen. Auch die complementären 
Erholungsvorgänge an der von der Farbe gereizten Stelle und die gleichartigen 
Processe in der Umgebung, welche nach der Hering’schen Farbentheorie einen 
wesentlichen Bestandtheil der negativen Nachbilderscheinung bilden, könnten als 
bloße Dispositionen zu selbständig beigemischten complementären oder gleichfar¬ 
bigen Sondererregungen gedacht werden, welche erst von beliebigen reagirenden 
Reizen, dem Helligkeitsprocesse direct proportional ausgelöst werden. Nur erscheint 
eine so abnorme Beziehung der Reize zu den nur in ihrer Erregbarkeit veränderten 
Substraten weniger wahrscheinlich.
        

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