Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Verhältniss der Hautempfindungen und ihrer nervösen Organe zu calorischen, mechanischen und faradischen Reizen
Person:
Bader, Paul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4501/26/
Das Verhältniss der Hautempfindungen zu calorischen etc. Reizen. 461 
können. Bei der flächenhaften Temperaturreizung Thunberg’s mit 
Hülfe erwärmter Metalllamellen wäre zu erwägen, inwiefern dadurch, 
bei Beobachtung der Wärmeempfindungen z. B., die Kältenerven in- 
nervirt worden wären und durch inadäquate Temperaturempfindungen 
das Resultat beeinflussen konnten. Freilich wird aus den Thun- 
berg’schen Wärmeauslösungen der Antheil, den die Erregung der 
Kältenerven daran nehmen konnte, schwerlich zu eliminiren sein. 
Deshalb ist eine punktuelle Reizung der nervösen Organe der flächen- 
liaften vorzuziehen. 
Aus der der Hyperästhesie parallel gehenden Hyperämie des 
wiederholt gereizten Wärmefeldes könnte man eine innervirende 
Eigenschaft der Nerven auf die Capillargefäße folgern und aus deren 
Blutfülle eine adäquate Reizung der wärmepercipirenden Apparate. 
Sind doch die objectiven Reize in den seltensten Fällen directe Nerven¬ 
reize. Zwischen dem Angriffspunkte des äußeren Reizes und dem 
nervösen Organe liegen stets die Epithelzellen, die sich je nach dem 
Einflüsse der Reiztemperatur zusammenziehen und ausdehnen. Da 
außerdem die Zellen in einer Lage angeordnet sind, so müssen sie 
wechselseitig ihre Gestalt beeinflussen, wodurch der transformirte 
Reiz an Fläche gewinnt, aber an Energie in der beabsichtigten Rich¬ 
tung verliert. Inwiefern Zellhaut, Plasma und Kern durch diese Ein¬ 
flüsse verändert werden und den Reiz transformiren, ist nicht nach¬ 
gewiesen. Ein zartes Gewebe von Protoplasmafäden verbindet die 
Zellen untereinander, desgleichen eine halbflüssige Zwischensubstanz, 
die die Ernährungswege der Zelle vorstellt1). Wenn es nun That 
sache ist, dass innerhalb dieser ernährenden Substanz feinste Nerven- 
fibrillen verlaufen, so muss jede Aenderung des Diclitigkeitsverhältnisses 
der nervenumspülenden Flüssigkeit den Druck auf die Nerven- 
endchen entweder steigern oder vermindern. Eine eminente Wichtig¬ 
keit in Bezug auf die Transformation objectiver Reize kommt vor 
allem dem lockeren Bindegewebe zu, das die Unterlage für die Epi- 
tlielien bildet, die Elemente des Nervengewebes von den übrigen Ge¬ 
weben unterscheidet und die Blutbahnen begleitet. Proportional der 
Fähigkeit desselben, Reizenergien umzusetzen, wächst sein Einfluss 
*) Gegenbaur, Lehrbuch der Anatomie des Menschen. I. 7. Aufl. Leipzig 1899. 
S. 97. 
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