Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Verhältniss der Hautempfindungen und ihrer nervösen Organe zu calorischen, mechanischen und faradischen Reizen
Person:
Bader, Paul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4501/22/
Das Verhältniss der Hautempfindungen zu calorischen etc. Reizen. 457 
weit vielleicht der Druck des Cylinders dazu mitgewirkt haben könnte, 
ließ sich nicht nachweisen. Die Wärme wurde nach relativ langer 
Reaetionszeit percipirt, dauerte aber dann mit dem Reize an. In 
dem oben geschilderten Versuche auf der Hautoberfläche über dem 
Biceps (s. Big. 2. V. D.) unterschieden sich die Wärme- von den 
Kältepunkten dadurch, dass sie auf —13° 0. nur kühle Empfin¬ 
dungen percipirten, die schwächsten des ganzen Feldes. 
Trotzdem es gelingt, auf 16° C. z. B. unzweifelhafte Wärme aus¬ 
zulösen, wird man das keine paradoxe Sensation nennen können, da 
diese Empfindungen mit den übrigen Wärmeperceptionen im Zu¬ 
sammenhänge bleiben, insofern sie auf der untersten Stufe der Wärme¬ 
reizscala liegen, wo nur selten Wärmeperceptionen erfolgen, während 
auf der geeignetsten Wärmereizschwelle von etwas unter und über 
40° C. die meisten deutlichen Wärmesensationen erhalten werden 
können. Alrutz reizte mit bis auf —70° C. abgekühlten Metall¬ 
spitzen, ohne paradoxe Wärmeempfindung nachweisen zu können. 
Es ist üblich, constatirte qualitative Hautpunkte zur sicheren 
Wiederauffindung mit Silbernitratlösung zu ätzen. Das geschah auch 
nach der ersten Untersuchung auf dem Reizfelde der Fig. 8 (S. 445 
beschrieben). Tags darauf zeigte sich die Fläche leicht geröthet und 
hyperästhetisch. Es wurden die Kältepunkte mit Reizen von 15° 0. 
controllirt und bestätigt. Wie ich schon früher in Erfahrung ge¬ 
bracht hatte, werden die Kältepunkte durch Höllensteinätzung in 
ihrer Empfindlichkeit nicht gestört. Sie fanden sich sogar einmal mit 
derselben Perceptionsklarheit wieder, mit der sie auf die ersten Reize 
reagirten, als eine etwas zu starke Aetzung die Epidermis auf ihnen 
zerstört hatte. Ganz anderes Verhalten offenbaren die Wärmepunkte. 
In genanntem Felde lösten sie auf 15° C.-Reize theils zerrenden und 
pressenden, theils intensiv heißen Schmerz aus. Auf den Wärme¬ 
punkten im Felde oben links traten entweder sofort nach dem Reiz 
oder innerhalb der schmerzenden Sensationen kalte Empfindungen 
hinzu, die allmählich verschwanden, und an deren Stelle die adäquate 
Empfindung trat. Wahrscheinlich verliefen da Kältenerven dicht 
neben den wärmeempfindlichen. Infolge des störenden Einflusses der 
Aetzung auf die Empfindlichkeit der Nerven ist daher fernerhin eine 
Markirung der Punkte durch Anilintinten vorgezogen worden.
        

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