Bauhaus-Universität Weimar

370 Moritz Geiger. 
direct aus den Curven ergeben, die aber nichtsdestoweniger theilweise 
sehr charakteristisch sind. 
Erstens werden die Fehlerschwankungen bei eingetretener Uebung 
weit geringer. Im allgemeinen rückt die Fehlerzone enger zusammen, 
selbst wenn der Mittelwerth derselbe bleibt. Ich greife als Beispiel 
zwei Reihen der Versuchsperson V heraus, die beide einen mittleren 
Fehler von — 0,5 Theilstrichen bei der Umdrehungszeit von 2 Secun- 
den zeigen. Die erste jedoch ist vor, die zweite nach eingetretener 
Uebung aufgenommen. Die erste Reihe umfasst 31 Versuche, die 
zweite 17 Versuche. Die mittlere Abweichung des Fehlers eines 
Versuchs vom mittleren Fehler der ganzen Reihe beträgt bei der 
ersten Reihe 2,2 Theilstrichintervalle, bei der zweiten Reihe nur 1,1 
Theilstrichintervall, also gerade die Hälfte. Diese Zahl beweist 
deutlich die Abnahme der Fehlerschwankungen. 
Zudem hat auf die durch die Einübung hervorgerufene relativ 
größere Constanz der Urtheile schon Pflaum1) aufmerksam gemacht, 
Dagegen macht der Einfluss der Einübung sich in einem anderen 
Punkt, in dem man es hätte erwarten sollen, nicht in gleicher Weise 
bemerkbar. Dieser Punkt ist die Zahl der Umdrehungen, die noting 
waren, bis ein Urtheil mit dem Bewusstsein einer gewissen Sicherheit 
erfolgen konnte. Die verschiedenen Personen verhielten sich hier in¬ 
dividuell sehr verschieden. Bei den Einen genügte von Anfang an 
eine geringe Zahl von Umdrehungen (3 oder 4), damit das Urtheil 
erfolgen konnte. Bei diesen pflegte im allgemeinen keine oder nur 
eine geringe Aenderung der Zahl der benöthigten Umdrehungen ein¬ 
zutreten. Andere dagegen gaben anfangs erst nach 20—30 Um¬ 
drehungen ihr Urtheil ab — das Maximum betrug 45 Umdrehungen 
— und bei diesen setzte die Einübung die Zahl der Umdrehungen 
stark herunter. Zum Theil hängt das mit der Art und Weise der 
Beobachtung zusammen, von der später die Rede sein soll. Um einen 
Ueberblick über diese Verhältnisse zu verschaffen, gebe ich gleichsam 
einen Querschnitt, in dem ich eine Umdrehungszeit herausgreife, und 
die Zahl der benöthigten Umdrehungen für diese Zeit in der Curve 1 
und 2 einander gegenüberstelle. Ich wähle hierzu die Zeit 3,5 (nur 
bei VIII ist an Stelle dieser nicht benutzten Umdrehungszeit die 
‘) a. a. 0. S. 141.
        

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