Bauhaus-Universität Weimar

Neue Complicationsversuche. 
Yon 
Moritz Geiger. 
Mit 13 Figuren im Text. 
Die von mir angestellten Versuche beschäftigen sich mit dem zu¬ 
erst von Wundt experimentell behandelten Problem der Compli¬ 
cationsversuche : 
Gegeben ist eine continuirliche Reihe von Gesichtsvorstellungen. 
Mit welchem Glied dieser Reihe wird ein disparater Sinnesreiz, etwa 
ein Schallreiz, als gleichzeitig aufgefasst? Entspricht der objectiven 
Gleichzeitigkeit auch die subjective, d. h. wird der Schall als gleich¬ 
zeitig mit derjenigen Gesichtsvorstellung aufgefasst, mit der er that- 
sächlich gleichzeitig war? Wundt hatte gefunden, indem er als con¬ 
tinuirliche Reihe von Gesichtsvorstellungen die Drehung eines Zeigers 
vor einer Scala benutzte, dass objective und subjective Gleichzeitig¬ 
keit nicht zusammenfallen, dass nur gelegentlich einmal der Schall 
auch mit derjenigen Gesichtsvorstellung als gleichzeitig aufgefasst 
wurde, die objectiv mit ihm zusammentraf. Wundt hatte untersucht, 
welche Bedingungen für die Größe des gemachten Fehlers maßgebend 
sind. Er hatte sich dabei des sogenannten Complicationspendels be¬ 
dient1): Vor einem Halbkreis, der mit einer Scaleneintheilung ver¬ 
sehen ist, vollführt ein Zeiger Pendelschwingungen. Der Zeiger 
löst hei seinem Vorbeigang an einem Punkte der Scala, der beliebig 
verändert werden kann, einen Schallreiz aus, und der Beobachter 
gibt an, mit welcher Stellung des Zeigers der Schall gleichzeitig ge- 
l) Wilhelm Wundt, Grundzüge der physiologischen Psychologie. 4. Aufl.' 
II. S. 404. 
Wundt, Philos. Studien. XVIII. 
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