Bauhaus-Universität Weimar

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Ernst Dürr. 
nur dann den Vorzug verdient, wenn die letztere überhaupt nicht 
zum Ziele führt. 
Aber auch positive Mängel, nicht bloß unentschiedener Streit 
über die Methode, legten eine nochmalige Bearbeitung des in Rede 
stehenden Thatsachengebietes nahe. Während nämlich Exner die 
Curve des Ansteigens nur für die durch weißes Licht erregten Ge¬ 
sichtsempfindungen bestimmt, wendet Kunkel seine Aufmerksamkeit 
nur den Earbenempfindungen zu. Eine Vergleichung der zum An¬ 
steigen der verschiedenen Farben- und reinen Helligkeitsempfindungen 
von gleicher Intensität nöthigen Zeiten liegt meines Wissens über¬ 
haupt noch nicht vor. Hieraus ergibt sich ein weiteres Problem, 
dem wir im Folgenden Beachtung schenken wollen. 
Außerdem sind die Adaptationsverhältnisse weder in Exner’s, 
noch in Kunkel’s Versuchen völlig eindeutig bestimmt. Exner 
scheint auf eine Constanz der vor jedem Versuch vorhandenen Be¬ 
leuchtung gar kein besonderes Gewicht gelegt zu haben. Kunkel be¬ 
merkt, dass er im »fast absolut dunkeln« Raum beobachtet habe, eine 
Angabe, deren Genauigkeit kaum genügt, so lange die Frage nach 
der Wichtigkeit von Adaptationsschwankungen für den Verlauf der 
zu untersuchenden Processe nicht entschieden ist. Ich stellte daher 
eine Versuchsreihe in völliger Dunkeladaptation, eine andere bei con¬ 
stant gehaltener Helladaptation an, auf deren nähere Bedingungen 
bei der Beschreibung der Versuchsanordnung zurückzukommen sein 
wird. 
Einige mehr untergeordnete Punkte der in Rede stehenden Mit¬ 
theilungen Exner’s und Kunkel’s, welche die Kritik herausfordern, 
sind endlich folgende: Beide Beobachter vernachlässigen die mög¬ 
licherweise vorhandene Einwirkung des Simultancontrastes auf das 
Ansteigen der zuerst beginnenden Lichtempfindung, indem diese zu¬ 
nächst durch einen weißen neben einem schwarzen Halbkreis aus¬ 
gelöst wird, während der an zweiter Stelle gebotene Reiz von Anfang 
an nur neben einem gleichfalls hellen Feld erscheint. Dies mag bei 
Exner, wo die Differenz der Expositionsdauern, also die Zeit, wäh¬ 
rend welcher jener Simultancontrast das Ansteigen der zuerst be¬ 
ginnenden Empfindung begünstigen kann, kurz und insbesondere 
constant ist, verhältnissmäßig wenig bedeuten. Bei Kunkel aber 
könnte dieser Umstand in Folge der Variabilität jener Zeit die
        

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