Bauhaus-Universität Weimar

Experimentelle Beiträge zur Gefühlslelire, 
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in der Inspiration stecken bleiben, um am leichtesten einen Geruch 
aufzunehmen, wie sogar die Handmuskeln sich anspannen. Es ist 
von Bedeutung, dass alle diese Erscheinungen bei der Aufmerksam¬ 
keit geringer sind oder wenigstens im Bewusstsein eine geringere 
Rolle spielen, da dieses von einer reproducirten Vorstellung oder 
Empfindung eingenommen ist. 
Setzen wir unsere Ergebnisse über Spannung und Lösung mit 
denen anderer Autoren auseinander, so kommen Vogt, Mentz und 
in erster Reihe Lehmann in Betracht. Mentz’ Angaben, allgemeiner 
Art wie sie sind, stimmen mit den unseligen in der Betonung der 
Pulsverkürzung bei Spannung überein — die Veränderung der Dikrotie 
gibt Mentz nicht an. Vogt ist für unsere Ergebnisse insofern er¬ 
giebig, als er in seiner letzten Arbeit Spannung und Lösung als active 
Gegensätzlichkeiten der sogenannten spastischen Reihe zusammen- 
fasst. Er hat fernerhin, wie auch wir den Versuchen entnommen 
haben, die spastische Reihe mit dem Auftreten und Vergehen der 
Aufmerksamkeit in nahe Beziehung gesetzt. Er hat aber ganz be¬ 
sonders auf das charakteristisch zeitlich so verschiedene Auftreten 
der Gefühlsdimensionen hingewiesen, welches unsere Pulsuntersuchung 
völlig bestätigt1). 
Schwieriger muss nach unseren Auseinandersetzungen über Leh¬ 
mann’s Auffassung der Spannung und der damit verwandten Zu¬ 
stände die Discussion mit Lehmann sein. Zunächst vermochten 
wir die von ihm als charakteristisch bezeichnete Verminderung der 
Pulshöhe nur in ganz seltenen Fällen zu finden. Wir können 
nur soviel zugeben, dass uns eine Erhöhung des Pulses bei Spannung 
nicht ein einziges Mal vorgekommen ist. Wir hatten eine solche 
Aenderung der Höhe des Pulses nach der psychologischen Beobach¬ 
tung sogar erwartet, da uns zwischen Spannung und Erregung Be¬ 
ziehungen zu herrschen schienen, — die Pulscurven haben diese Er¬ 
wartung aber nie bestätigt. Es zeigt sich die Verminderung der 
Pulshöhe bei Lehmann aber auch nicht in allen Fällen, denen wir 
Spannungsgefühle als wesentlich zuschreiben. Gerade bei der Con¬ 
centration der Aufmerksamkeit, der reinsten Art von Spannungs¬ 
gefühlen, die bei Lehmann untersucht werden, fehlt dieses Symptom. 
1: Zeitsehr. f. Hypn., IV, S. 215 ft'., 229 ff,, besonders S. 243. 
Wundt Pliilos. Studien. XVIII.
        

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