Bauhaus-Universität Weimar

Eyperimentelle Beiträge zur Grefühlslehre. 
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ist uns stets möglich, zu beliebiger Zeit eine starke Spannung will¬ 
kürlich zu erzeugen, es ist uns nicht möglich, dieselbe festzuhalten 
— Schwankungen der Aufmerksamkeit sind ja häufig beobachtet und 
ihre Dauer gemessen worden. Eben dieselben Schwankungen geben 
die Versuchspersonen für die Spannungen an, deren Verlauf folgender 
ist: Nach dem Signal tritt sofort eine Spannung ein, die ihren Höhe¬ 
punkt schnell erreicht. Man kann diese Zeit für die Möglichkeit 
der starken Aufmerksamkeit bestimmen, wenn man die Versuchs¬ 
person angeben lässt, welches Tempo ihr am angenehmsten ist — es 
ist dasjenige, bei welchem der zweite Metronomschlag mit dem Zeit¬ 
punkt des Maximums der Spannung zusammen fällt. Nach beiden 
Seiten hin zeigen sich leicht Unlustgefühle. Im übrigen ist gerade 
die Länge des Zwischenraums, der liier am angenehmsten ist, individuell 
verschiedener, als es sonst die Verhältnisse der einfachen Gefühle 
sind. Es tritt aber dieses zeitliche Concentrations-Maximum hier 
recht deutlich in den Angaben hervor. Ueberschreitet man dasselbe, 
so folgt sofort ein Schwächerwerden, ein Nachlassen, ja bei sehr langen 
Spannungszeiten ein Aufhören der Spannung. Aber nie wird dasselbe 
als Lösung bezeichnet. Es fehle ihr, lautet oft die Aussage, »der 
Ruck«, »der Stoß«, den man bei der Lösung erhalten — wir dürfen 
es wohl das active Moment nennen. Es handelt sich eben hier um 
ein passives Schwächerwerden der Spannung, nicht um ihre active 
Gegensätzlichkeit. Wir werden zuselien müssen, ob in der That die 
Puls curve unsere psychologische Feststellung bestätigt. 
Wenn wir nun die Zahl der sehr verkürzten Pulsschläge beim 
ersten Einsetzen der Spannung betrachten, so finden wir dieselbe 
etwa 4—5, selten mehr. Die nächsten Pulsschläge setzen sich 
dagegen nicht scharf ab, sie werden allmählich etwas länger, um dann 
wieder nach 2—4 Pulsschlägen der Verkürzung zu weichen, die 
bei sehr langer Spannung etwas nachlässt, aber doch deutlich und 
stark bleibt. Die Zeit der Schwankungen ist also etwa 3—5 Secunden, 
sie entspricht genau derjenigen, welche schon oft als Schwankungs¬ 
zeit der Aufmerksamkeit gefunden wurde (Pace und Marbe, v. Voss). 
Wir sehen also die psychologisch beobachteten Schwankungen physio¬ 
logisch völlig identificirt. Wir sind damit auch zum mindesten dazu 
berechtigt, die den Zustand der Spannung bezeichnenden Gefühle als 
mit den specifischen Elementen der Aufmerksamkeit identisch zu
        

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