Bauhaus-Universität Weimar

Experimentelle Beiträge zur Gefühlslehre. 
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Spannungsgefühl, welches sich nur hei sehr starken Graden der 
Spannung leicht mit dem Gefühl der Erregung, bei besonders starken 
und langdauernden mit dem der Unlust verbindet. Nur dass bei der 
unvorbereiteten Aufmerksamkeit der ganze Complex statt durch ein 
geringes, dem erwarteten Gegenstände angepasstes Spannungsgefühl, 
durch ein plötzlich auftretendes Erregungsgefühl eingeleitet wird, 
welchem die gleiche Spannung folgt: eine Nachwirkung der Erregung 
mag sich damit leicht verbinden. Ein Gel einheitlicheres Bild gibt 
daher die vorbereitete Spannung oder, wenn man die Totalität des 
Vorganges bezeichnen will, die Aufmerksamkeit. Es war daher unser 
Bestreben, dem Mischphänomen der unwillkürlichen Spannung (Er¬ 
regungsspannung) gegenüber das eindeutige der willkürlichen Spannung 
(reinen Spannung) in den Vordergrund zu stellen. 
Die bisher gebrauchten Methoden konnten dabei nicht ganz ge¬ 
nügen. Mentz wurde auf diese Untersuchung nur nebenbei geleitet, 
als er die Einwirkung der Aufmerksamkeit auf die Wirkungen akusti¬ 
scher Reize berücksichtigen musste. Uns kommt es aber gerade darauf 
an, die Wirkung einer reinen, nennen wir es im Gegensatz zu der 
von Mentz untersuchten erfüllten, einer leeren Spannung darzustellen. 
Wir setzen daher nur in Kürze die Resultate Mentz’ her, die übrigens 
im wesentlichen erstaunlich zutreffen, obgleich sie aus den Lust und 
Unlust betonten Zuständen vergleichend erschlossen sind. »Bei will¬ 
kürlicher Aufmerksamkeit tritt eine Verkürzung ein, die bei längerer 
Dauer der ersteren fort und fort zunimmt. Die Lust an der Thätig- 
keit wird in ihrer pulsverlängernden Wirkung also schon von Anfang 
an durch die pulsverkürzende Wirkung der willkürlichen Aufmerksam¬ 
keit übertroffen.« 
Ausführlichere Versuche hat nur Lehmann gemacht, dessen 
Methoden hier zu besprechen sind. Hier rächt sich nun die von uns 
ausführlich besprochene Unklarheit über das Wesen der Spannung. 
Die Methoden sind das Punktezählen (S. 64 ff.), Ausführen von Rechen¬ 
aufgaben, auf eine kurze Melodie achten und sinnlose Silben lesen 
und wiederholen. Wo aber Lehmann versucht, eine Art von reiner 
Spannung herzustellen, da geht er ganz unmethodisch vor. Aus einer 
Reihe anormaler Versuche zieht Lehmann den Schluss, »dass die 
Versuchsperson nur ausnahmsweise im normalen Gleichgewicht des 
Gemüthes war, während ein anderer Gemiithszustand durchweg vor-
        

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