Bauhaus-Universität Weimar

Experimentelle Beiträge zur G-efühlslehre. 
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hier den Beweis für ein spätes Eintreten der organischen Aenderungen 
sehr leicht führen können. Zum Schluss müssen wir trotz aller 
Kritik bemerken, dass die Arbeit Lehmann’s uns vom allergrößten 
Werthe erscheint. 
3. Die Methoden dieser Arbeit. 
a. Allgemeine Begründung. 
Wenn einige Tacte einer Composition uns Untersuchungsobjecte 
sind, so können sie dies in mehrerer Hinsicht sein. Man kann unter¬ 
suchen, welchen Einfluss sie in ihrer Gfesammtheit auf periphere und 
centrale Theile unseres Organismus ausüben. Man kann ihre Wirkung 
auf unseren geistigen Zustand, auf Consonanz und Harmonie fest¬ 
stellen, man kann auch jede Note jedes Tactes auf die psychische 
und physische Wirkung, auf den körperlichen und geistigen Zustand 
untersuchen. In der Akustik, in der Optik u. s. w. sind diese Arten 
des Untersuchens geschieden, jede hat ihr Hecht und ihren Werth — 
aber wissenschaftlich als Grundlage gilt natürlich stets und ein¬ 
stimmig diese letzte elementare, psychophysische Untersuchungs¬ 
methode. Erst wenn sie erledigt ist, hofft man auf eine ernstliche 
Erledigung der anderen Fragen. Nicht so in der Gefühlslehre. Da 
steht es heute noch so, dass je nach Laune und Beanlagung des 
einzelnen Forschers bald die rein physiologische Untersuchung im 
Vordergrund steht, bald die concreten Affecte, d. h. die praktisch¬ 
psychologische Untersuchung herrschen, während die zunächst noth- 
wendige psychologisch wie physiologisch elementare Analyse noch 
nicht einmal in den gröbsten Umrissen vorgenommen ist. Gangbar 
sind natürlich alle Wege, aber die nächsten sind die beiden ersten nicht. 
So haben die aufs Physiologische gerichteten Experimentatoren es 
für nöthig erachtet, erst über alle physiologischen Streitfragen und 
Feinheiten dieses Gebietes Untersuchungen anzustellen, ehe sie auf 
ihr eigentliches Gebiet, die Gefühlsveränderung der Blutbewegung ein¬ 
gingen. Es scheint aber im Ganzen ausreichend, sich mit der Technik 
und den Ergebnissen des von den Physiologen über diesen Punkt 
Erarbeiteten gut vertraut zu machen, während es weit über den 
Rahmen einer solchen Arbeit ginge, die so complicirten physiologischen 
Fragen jedes Mal von Neuem als offene und durch Vorversuche zu
        

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