Bauhaus-Universität Weimar

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Max Erahn. 
physiologischer Art sein könnten. Eine jede Bewegung im Körper 
kommt ja als gefühlsbetonte Empfindung in Betracht, mag auch die 
Empfindung oft sehr gegen das Gefühl zurücktreten. Die Ausdrucks¬ 
bewegung kommt als ein solcher Gefühlsreiz um so mehr in Betracht, 
als sie bei einem bestimmten Gefühl constant ist, also auch eine 
constante Gefühlsbetonung für das Bewusstsein bedeutet. Man müsste 
natürlich die im Körper vor sich gehenden Veränderungen ebenso 
wie die Bedeutung jeder einzelnen Aenderung für unser Bewusstsein 
kennen, um diesen ganzen constanten Gefühlsantheil zu verstehen. 
Davon sind wir noch sehr weit entfernt. Wenn man aber das Ziel 
im Auge behält, wird man nicht zufrieden sein, Veränderungen zu 
finden, welche zwar genügende Symptome für die Gefühle sind, aber 
nichts über die eigentlichen Veränderungen in ihrer objectiven Katur 
aussagen. Man wird z. B. bei den Pulsveränderungen versuchen, sie 
so darzustellen, dass sie genau anzeigen, was objectiv vorgeht, also 
etwa die Verengerung der Arterie, die größere Blutmasse, welche 
durchgepresst wird, die Stärke des Herzdruckes u. s. w. Wählt man 
Veränderungen, die zwar mehr in die Augen fallen, aber weder nach 
der Lage unseres physiologischen Wissens noch nach dem Ausdruck, 
den die Methode von dem körperlichen Vorgang gibt, eine Bestim¬ 
mung des objectiven Vorganges ermöglichen, so begibt man sich des 
Vortheiles, auch für die Erklärung des psychologischen Thatbestandes 
etwas zu leisten. Heute freilich wissen wir noch gar nichts darüber, 
wie wir die einzelnen feineren Veränderungen in Puls, Athmung, 
Muskeltonus u. s. w. wahrnehmen, und welche Gefühle diesen feinen 
Veränderungen entsprechen. 
3. Die Organgefühlstheorie. 
Wissen wir auch nichts über die Einzelheiten dieses von den 
Organempfindungen im weitesten Sinne ausgehenden constanten Ge- 
fühlsantheiles, so haben wir doch die Einsicht gewonnen, dass der¬ 
selbe stets und zwar bei verschiedenen Gefühlen in verschiedener 
Weise vorhanden ist, Es ist daher gar nicht so sehr verwunderlich, 
dass man auf den Gedanken gekommen ist, es machten diese con¬ 
stanten, für jedes Gefühl specifischen Organempfindungen das Gefühl 
selbst aus >). Die Grundlage dieser Theorie bildet die Ansicht, welche 
1) Lange, Ueber Gemüthsbewegungen. Leipzig 1887. James, The physical
        

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