Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zum Problem der Grundlagen der Tiefenwahrnehmung
Person:
Kirschmann, August
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4494/9/
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A. Kirsclimann. 
widerspruchslos auf psychische Grundphänomene zurückgeführt 
ist, dürfte an sich schon der Beachtung werth sein. 
Es bleibt mir nunmehr noch übrig den Haupteinwand zu 
entkräften, den man gegen meine Theorie erhoben liât, nämlich 
dass so geringfügige Größen wie die Parallaxe des indirecten 
Sehens bei dem Zustandekommen der Tiefenlocalisation keine Bolle 
spielen könnten und daher vernachlässigt werden müssten. Es ist 
hier nicht der Ort, sich über die Irrthümer zu verbreiten, die sich 
in mathematische und empirische Wissenschaften eingeschlichen haben 
durch den Missbrauch der Vernachlässigung kleiner Größen. Aber 
ich kann mich der Bemerkung nicht enthalten, dass damit in wissen¬ 
schaftlichen Arbeiten, die sich mit dem Nimbus mathematischer Un¬ 
antastbarkeit umgehen, viel Unheil angerichtet wird. Man vergisst, 
dass alle Größe relativ ist und dass nichts absolut groß oder klein 
ist. Die Berechtigung zum Vernachlässigen von Gliedern einer Keihe 
liegt in den seltensten Fällen in der Natur der Eeihe selbst und 
ihrer Glieder, sondern ist von Bedingungen abhängig, die von außen 
gegeben sind und mit den Größenverhältnissen der Beihe und ihrer 
Glieder in keinem directen Zusammenhang stehen. Absolut genom¬ 
men gibt es keine Approximation. Die bei Nälierungswerthen ver¬ 
nachlässigten Größen sind nur von gewissen von außen her gewählten 
Standpunkten aus »klein«. Die Gesetze für die Lichtbrechung an 
sphärischen Trennungsflächen beispielsweise gelten mathematisch ent¬ 
weder für alle Einfallsrichtungen oder für gar keine. Der Einthei- 
lung in centrale und Bandstrahlen entsprechen durchaus keine wesent¬ 
lichen Verschiedenheiten in dem Gange der Lichtbewegung oder in 
den dafür aufgestellten mathematischen Ausdrücken. Die Berechti¬ 
gung dieser Eintheilung kommt von außen. Sie beruht lediglich 
darauf, dass auf Grund der Größe und Vertheilung der percipiren- 
den Betinaelemente Abweichungen von der Homocentricität, die eine 
gewisse Größe nicht überschreiten, unsichtbar bleiben. 
Wenn jemand behauptet, dass gewisse mathematisch nachgewiesene 
räumliche Verschiedenheiten und Aenderungen in der Configuration 
der Netzhautbilder zu klein seien, um als Daten für die Tief en Wahr¬ 
nehmung zu dienen, so muss er zureichende Gründe für diese Be¬ 
hauptung erbringen, denn es ist bis jetzt weder in der Theorie noch 
empirisch eine untere Größengrenze für die Mitwirkung bei der
        

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