Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 579 
Complexes zu unserer Messung des Umfangs vorausgesetzt. Infolge 
der gegenseitigen Concurrenz bei einer größeren Anzahl von Ele¬ 
menten, wie sie hier vorausgesetzt sind, werden dabei natürlich so und 
so viele Einzelelemente weniger beachtet sein und eine constante 
Orientirung des Aufmerksamkeitsreliefs nach einem bestimmten 
»inneren« Blickpunkte wird für diese Elemente auch nach der maxi¬ 
malen Einübung nicht mehr als diese relativ geringere Klarheit be¬ 
deuten. Bei einer hinreichenden Geübtheit in der angemessenen 
Aufmerksamkeitsvertheilung, welche ohne Weiteres den einzelnen 
Inhalten je nach ihrer »Entfernung« vom »inneren« Blickpunkte das 
entsprechende Maß von Klarheit zu Theil werden läßt, wird diese 
geringere Klarheit des Peripheren eigentlich gar niemals wesentlich 
überschritten zu werden brauchen, so dass also (nach jener allge¬ 
meinsten Kegel über die Abhängigkeit der reflectiven Wiedergabe 
von einem Mindestmaß der erlebten Klarheitsgrade (1,2)) auch nach 
maximaler Einübung der constanten günstigsten Aufmerksamkeits¬ 
verteilung keine Angabe der verschiedenen Figuren und ihrer Verteilung 
möglich zu sein braucht, oder wenigstens nur sehr indirect nach 
längerer Reflexion über den gesammten Bestand. Andererseits 
brauche ich kaum noch hinzuzufügen, dass für gewöhnlich das Aus¬ 
wendiglernen von Complexen sich zur Erleichterung seiner Aufgabe 
nur an ganz bestimmte Richtungen der Aufzählung zu halten pflegt, 
während natürlich die Orientirung des simultanen Aufmerksamkeits¬ 
reliefs sich sofort nach allen Richtungen und Beziehungen gleich¬ 
mäßig erstrecken wird, so viel daran eben der gleichzeitige Umfang 
des Bewusstseins simultan in entsprechender Klarheit mit zu erfassen 
im stände ist. 
Indessen stellt sich dieser Nebenerfolg bei der thatsächlichen 
Durchmusterung des Bestandes, wie gesagt, wirklich ein, und man 
könnte nun versucht sein, aus der jedenfalls viel späteren Erreichung 
eines Uebungsmaximums für ein derartiges Auswendig-Wiedergeben 
des ganzen Complexes auf ein ähnliches Fortschreiten der actuellen 
Beherrschung während der Betrachtung selbst schließen zu wollen, 
was natürlich für die Constanz der Versuche eine schlechte Aussicht 
bilden würde. Denn_auch nach einer sehr großen Zahl von jeweils 
längeren Fixationen des Complexes wird die auswendige Wieder¬ 
gabe immer noch einer Beschleunigung und Verbesserung fähig sein. 
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