Bauhaus-Universität Weimar

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Wilhelm Wirth. 
vier bis sechs klar bewussten und sicher erinnerten Haupttheilen jene 
große Zahl von Elementen enthalten soll. 
Die qualitative Unterschiedslosigkeit der letzten Elemente, welche 
allein das Resultat bei successiver Darbietung auf einen simultanen 
Umfang beziehen lässt, bringt es aber natürlich nun auch mit sich, 
dass wir schließlich bei jenem successiven Angleichen der simultan 
vorschwebenden Gesammtvorstellung, z. B. von 40. Tactschlägen, an 
die einzelnen Schläge der Vergleichsreihe (Vergl. 3, 4) nicht mehr 
charakteristische Einzelelemente einer Gesammtvorstellung vor uns 
haben, die um ihrer besonderen Qualität willen das Vergleichsurtheil 
selbständig beeinflussen könnten. Wir sind uns nicht bewusst, ein 
Einzelelement in seiner Eigenart wieder zu erkennen. Die Angleichung 
muss vielmehr ganz und gar von der gegenseitigen Orientirung der 
weniger klar bewussten Haupttheile ausgehen, die ja unter sich eben 
so wenig qualitativ charakterisirt sind und nur durch ihr Neben¬ 
einander in der Gesammtvorstellung eine Art von zeitlichem Lage¬ 
werth erhalten. Eine größere Unabhängigkeit der simultan gegebenen 
Einzelelemente in ihrem Einfluss auf das Vergleichsurtheil ist aber 
auch wieder nur durch die simultane Darbietung eines Wahrnehmungs- 
complexes zu erreichen, der qualitativ individuell charakterisirte Einzel¬ 
elemente von der schon früher besprochenen Art (2,4a) in sich 
enthält. Dabei ist es aber nun vor Allem wichtig, dass der simultane 
Wahrnehmungscomplex, der das Vergleichsurtheil entscheidet, wieder 
von möglichst kurzer Dauer ist. Denn von qualitativ differen- 
zirten Einzelobjecten lässt sich nur dann mit einiger Sicherheit be¬ 
haupten, dass im Vergleichsprocess wirklich nur diejenigen zur Geltung 
gekommen sind, welche sich in einer simultanen Gesammtvorstel¬ 
lung neben einander befinden, dass also ein discursives Angleichen 
ausgeschlossen ist, wie es bei einer länger dauernden Vergleichs¬ 
vorstellung unter Voraussetzung einer qualitativen Differenzirung der 
Einzelelemente nach den vorigen Ausführungen möglich ist. Mit 
diesem Vortheil der momentanen Darbietung des Vergleichsobjectes 
hängt aber dann unmittelbar der zweite zusammen, dass nun sämmt- 
liche Einzelvorstellungen auch nur mit denjenigen Klarheitsgraden 
auf das Vergleichsurtheil einen Einfluss zu gewinnen vermögen, welche 
sie in diesem Moment gerade besitzen, dass also auch gewisse Ver¬ 
schiebungen der Gesammtvertheilung der Klarheit ausgeschlossen sind,
        

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