Bauhaus-Universität Weimar

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Wilhelm Wirth. 
Wahrnehmung selbst kein assimilirtes Beiwerk hinzu, so liegt eben 
ein Ball der objectiver en Auffassung vor. Nachträgliche Beein¬ 
flussungen hingegen können bei psychologischer Schulung des Be¬ 
obachters, wie schon erwähnt, als bloße Vermuthungen aus dem 
Resultat der sicheren Wiedergabe des wirklich Wahrgenommenen 
leicht ausgeschieden werden1). So ist es also auch gar nicht zu ver¬ 
wundern, dass durch die tachistoskopischen Leseversuche die Resultate 
derartiger TJmfangsbestimmungen mit reinen optischen Wahrnehmungs¬ 
inhalten so gut als möglich bestätigt wurden. Sie stellen nach dem 
soeben Gesagten allerdings nicht die einfachsten Fälle der Ableitung 
des Aufmerksamkeitsumfanges dar, und man wird daher die Regeln 
nicht von ihnen neu ableiten, sondern zufrieden sein, wenn man das 
anderweitig Abgeleitete unter Berücksichtigung der complicirten Neben¬ 
umstände in mehr deductiver Weise mit ihnen in Einklang zu bringen 
vermag. Am einfachsten gestaltet sich diese Angleichung aber nun 
bei der Darbietung sinnloser und ungeläufiger Buchstabencomplexej 
von denen in diesem Absätze zunächst ausgegangen worden war. Die 
Verlegung der Apperception nach den unter Umständen assimilativ 
modificirten Bedeutungsvorstellungen kann hier kein wesentlich anderes 
Schauspiel der Vorstellungsconcurrenz im unmittelbaren Erleben und 
der Reproductionshülfen bei der Wiedergabe darbieten, als es schon 
die einzelnen optischen Zeichen als solche gethan hätten, wenn sie 
ausschließlich als solche betrachtet worden wären. Bei einer sinn¬ 
losen Combination herrscht allgemeine gegenseitige Concurrenz aller 
richtig oder falsch gelesenen Buchstaben, sie müssen zur Ermöglichung 
der Wiedergabe alle im einzelnen maximal klar werden, und so werden 
nur circa vier dieser zwar bedeutungsvollen, aber unter sich zu¬ 
sammenhangslosen Elemente richtig wiedergegeben werden können. 
9) Reduction des Resultates bei geläufigen Complexen 
auf die bekannten Gesammtformen derselben. Eine genauere 
1) Auf die vielen Variationen des Resultates, welche je nach der Art und 
dem Zeitpunkte der Wiedergabe eintreten und die besonders von Finzi a. a. 0. 
sorgfältig berücksichtigt wurden, kann ich hier nicht weiter eingehen. Bei der 
Definition des Umkreises der »maximalen Klarheit«, die ja, wie aus dem Früheren 
ersichtlich, von den Reproductionsbedingungen keineswegs unabhängig ist, ist aber 
nur eine constante Und womöglich günstigste Art und Weise dieser Wiedergabe 
vorausgesetzt.
        

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