Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 5J7 
entsprechend längeren Betrachtung der Schriftbilder ist diese Un¬ 
berechenbarkeit bekannt, und diese wird beim Uebergang zur tachisto- 
skopischen Auffassung geradezu systematisch gesteigert. Auf die 
Einzelheiten brauche ich hier unter Verweisung auf die genannten 
Arbeiten wohl nicht weiter einzugehen. Zei tier insbesondere hat 
die Eälle der objectiver en Würdigung des experimentell dar¬ 
gebotenen optischen Bestandes einerseits und der subjectiv gefärbten 
kritikloseren Pesthaltung der sogleich aufsteigenden Wort-Associations¬ 
inhalte mit ihrer assimilirenden Eückwirkung auf die optische 
Anschauung selbst genauer zu analysiren und den an sich ganz 
correct hervorgehobenen Gegensatz durch die Ausdrücke des »apper- 
cipirenden« und »assimilirenden« Lesens zu fixiren gesucht. Der 
erstere Ausdruck ist allerdings insofern nicht unmissverständlich, als 
die »Apperception« auch für Zeitler wie bei Wundt die Stellung 
eines Inhalts zum Blickpunkt des Bewusstseins bezeichnet1), welche 
mit der Herkunft dieses Inhaltes aus der äußeren Wahrnehmung 
und der hieraus entspringenden objectiven logischen Bedeutung an 
sich nichts zu thun hat. Auch der assimilirte Inhalt ist ja stets in 
diesem Sinne appercipirt. Der zweite, auch richtig bezeichnete Fall 
des »assimilirenden« Lesens ist nun der Grundtypus der erwähnten 
Störung einer experimentellen Beherrschung des Thatbestandes. In¬ 
dessen kann die Umfangsbestimmung in dem hier überhaupt mög¬ 
lichen Sinne durch diese Illusionswirkungen auf Grund der Assimila¬ 
tionen deshalb doch nicht wesentlich verfälscht werden, weil für sie 
eben die Herkunft der Ausfüllung schließlich gleichgültig ist, wenn 
nur wenigstens die Zeitdauer des Bewusstseinsinhaltes 
vom Experiment exact abgegrenzt bleibt. Wenn aber keine 
hypnotische Beeinflussung des Beobachters vorliegt, wie sie hier 
überall ausgeschlossen gedacht ist, so ist in der That anzunehmen, 
dass die mit voller Empfindungsfrische gegebenen Assimilationen nicht 
länger als die associativ allein wirksame Umgebung den Charakter 
der unmittelbaren Wahrnehmung besitzen. Kam hingegen in der 
1) Das Wort appercipere enthält ja allerdings, wie fast alle jetzigen Aüsdrücke 
für Bewusstseinsthatsachen als solche, der Entwicklung des Denkens überhaupt 
entsprechend, eine Beziehung auf einen objectiven Thatbestand. Nach seiner psycho¬ 
logischen Specialisirung darf aber bei der Verwendung ein Rückfall in diese Be¬ 
trachtung nicht mehr stattfinden.
        

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