Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 489 
um mit einer »Messung« des simultanen Umfanges nur 
einigermaßen nachzukommen. 
Als nun Herr Professor Wundt die Psychophysik als exacte Be¬ 
stimmung von Empfindungsintensitäten und deren gegenseitigen Be¬ 
ziehungen zu einer allgemeinen experimentellen Psychologie zu er¬ 
weitern unternahm, welche die aus der Beobachtung des alltäglichen 
Seelenlebens in gröberen Umrissen bekannten Zusammenhänge so 
weit als möglich in exacterer Weise analysiren und neben einer 
größeren Vergleichbarkeit der beigezogenen Einzelfälle des Unter¬ 
suchungsgebietes insbesondere so weit als möglich genauere Ma߬ 
verhältnisse anstreben sollte, erschien als ein aussichtsreiches 
Problem in dieser zuletzt genannten Hinsicht vor allem auch die 
genauere Bestimmung des Umfanges der gleichzeitigen 
seelischen Vorgänge. 
1) Die Gliederung des Bewusstseins nach seiner Klar¬ 
heit. — Einfluss auf die Erinnerung und nachträgliche 
Wiedergabe. Bei der Behandlung eines so allgemein gestellten 
Problèmes erheben sich jedoch zunächst gewisse theoretische Vor¬ 
fragen, die sich auf das Wesen des jeweiligen Gesammt- 
inhaltes eines Bewusstseinsmomentes beziehen1). Ihre Be¬ 
handlung in dem auch hier vertretenen Sinne war denn bekanntlich 
auch bereits von Wundt selbst allen experimentellen Einzelunter¬ 
suchungen vorausgeschickt worden. Die Bestimmung des Bewusst¬ 
seinsumfanges wäre offenbar eine viel einfachere Sache, als sie es 
thatsächlich ist, wenn das ganze Bewusstsein in jedem Momente nur 
aus lauter Vorstellungselementen zusammengesetzt wäre, deren wir 
uns als solcher gleichzeitig oder wenigstens in einer zeitlich sich an¬ 
schließenden Reflexion mit derjenigen Sicherheit unmittelbar verge¬ 
wissern könnten, die jederzeit nothwendig ist, wenn aus dem Erleben 
von Bewusstseinsinhalten auch eine psychologisch-wissenschaftliche 
Verwertung hervorgehen soll. 
Das Verfahren wäre dann in keiner Weise von der Analyse der 
1) Vgl. im Folgenden vor allem auch Th. Lipps, Grundthatsachen des 
Seelenlebens, 1883, bes. Kap. VIII, S. 151 (Von der Begrenztheit der seelischen 
Kraft), sowie »Komik und Humor« 1898, S. 117 f.
        

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