Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 515 
aus einer natürlich nur in beschränkter Zeit klaren Erinnerung mög¬ 
lich. Charakteristische Zusammenstellungen müssen natürlich aus den 
erwähnten Gründen möglichst vermieden werden, wo es nicht auf die 
Untersuchung des »Typus« der Anordung1) ankommt. Diese Form 
der Gruppirung ist dann nach kurzer Einübung schließlich als be¬ 
kannt und selbstverständlich vorausgesetzt und wird nicht neben den 
Einzelinhalten weder im Erleben, noch in der Reflexion eine besondere 
Aufmerksamkeit absorbiren. Specielle Einflüsse dieser Anordnung 
können durch ihre Variation in neuen Reihen compensirt werden. 
7) Bestätigung des Resultates beim tachistoskopischen 
Lesen ungeläufiger Buchstaben- und Zahlencomplexe. — 
Die besondere innere Einstellung beim Lesen. Nun wurden 
bekanntlich die Catteil’sehen Resultate der Auffassung von 4 bis 6 
einfachen Strichen sowohl mit ungeläufigen Zahlencomplexen, als auch 
mit sinnlosen und ungeläufigen Buchstabenzusammenstellungen schon 
von ihm selbst und nach ihm von Goldscheider, Erdmann, 
Zeitler u. a. bestätigt gefunden. Offenbar gestatten die in solcher 
Weise combinirten Zahl- und Buchstabenzeichen auch ziemlich gut 
eine Auffassung als einfacher charakteristischer Objecte, welche von 
einander im allgemeinen so weit unterschieden sind, dass die zu einer 
»richtigen« Angabe erforderliche Klarheit nicht einer gleichzeitigen 
Beachtung mehrerer »Einheiten« entspricht, also bei maximaler Klar¬ 
heit nicht mehr Concurrenz macht, als die sichere Feststellung eines 
einzelnen Striches als solchen ohne Rücksicht auf zufällige qualitative 
Differenzen. Allerdings gilt dies nur mit einer gewissen Einschrän¬ 
kung. Die complicirte Frage der sicheren Unterscheidbarkeit und 
leichten Lesbarkeit ist ja eben auch hier wiederum eine Vorfrage, 
die sich erst auf die Abgrenzung der einzelnen Einheiten selbst 
bezieht, d. h. auf den Umfang des Inhaltes, der als vergleichbare 
Größe von individueller Charakterisirung eingesetzt werden kann. 
Dennoch ist zunächst der principielle Unterschied nicht zu ver¬ 
kennen, welcher zwischen dem ganzen, hier von den Reizen aus¬ 
gelösten Erlebniss und unserem Idealfall besteht, bei welchem die 
1) Ueber die exacteste Individualisirung durch Einführung verschiedener 
Grade ein und der nämlichen Qualität vgl. später Cap. 4. 
33*
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.