Bauhaus-Universität Weimar

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Wilhelm Wirth. 
und im Anschluss an ihn Z ei tier1) und Huey2) eine senkrecht vor 
dem Object in einem Schlittengeleise vorbeifallende Spaltscheibe, ein 
sog. Fallchronometer oder Tachistoskop, Finzi3) ließ einen ähn¬ 
lichen Spaltschlitten vor dem ebenfalls senkrecht gestellten Object 
durch Federkraft horizontal vorbeischnellen. Goldscheider und 
Müller4), Erdmann und Dodge5) verwendeten nach dem Helm¬ 
hol tz’schen Princip gleichmäßig rotirende Scheiben mit einem Spalt, 
erstere in horizontaler, letztere in verticaler Richtung, wobei die 
Expositionszeit zwar nicht exacter, aber doch leichter zu bestimmen 
ist als bei Fall- und Schleuderbewegung, ein Vortheil, der natürlich 
wieder verloren geht, wenn man wie Sanford6) die Rotation zweier 
theilweise übereinander greifender Spaltscheiben durch Zahnrad-An¬ 
schluss an ein schwingendes Pendel bewirkt. (Relativ wenig exact 
war die Expositionszeit durch Verwendung eines photographischen 
Moment-Verschlusses bei Pillsbury7) abgestuft, dessen Versuche ja 
auch von unserer Umfangsfrage besonders weit entfernt sind.) Bei Gold¬ 
scheider verdeckte das Rad ebenso wie jene Spaltscheiben unmittel¬ 
bar das Gesichtsobject. Sanford benützte den Rad-Spalt zum ersten- 
male zur kurzdauernden Beleuchtung eines zunächst frei im Dunkeln 
liegenden, vorläufig nur seiner Lage nach erkennbaren Objectes, so 
dass nicht nur der Reizcomplex völlig simultan wirkte, sondern auch 
von vorne herein auf die richtige Fläche accomodirt, wenn auch nicht 
zugleich adaptirt werden konnte, ein Versuch, der von Erdmann 
und Dodge zu einer kurzdauernden Projection des Objectes auf eine 
1) Unter Anwendung eines nach Wundt’s Angaben verbesserten Apparates. 
Wundt, Philos. Studien XVI, S. 380 ff. 
2) Huey, On the psychology and physiology of reading, Am. Journ. of Ps. 
XI, 1900, S. 283 ff. XH, 1901, S. 292 ff. 
3) Pinzi, Zur Untersuchung der Auffassungsfähigkeit und Merkfähigkeit. 
Kraepelin, Psychologische Arbeiten HI, 1901, S. 289. 
4) Goldscheider und E. P. Müller, Zur Physiologie und Pathologie des 
Lesens, Zeitschr. f. klin. Stud., Berlin 1893, XXIH, S. 131 ff. 
5) Erdmann und Dodge, Untersuchungen über das Lesen, Halle 1898, 
S. 166. 
6) Sanford, The relative legibility of the small Letters, Am. Joum. of Ps. 
I, S. 402 f. 
7) Pillsbury, A study in Apperception, Am. Joum. of Ps. VIH, 1897, 
S. 133 ff.
        

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