Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 503 
zu lassen, so dass die Erinnerung außer dem Inhalt seihst keiner 
weiteren Zeitmarkirung bedarf. Dabei sind fast alle bisherigen Ver¬ 
suche, sowohl nach dieser directen als nach indirecten Methoden, auf 
ein einziges Sinnesgebiet beschränkt, associative Beimischung aus 
anderen Gebieten selbstverständlich inbegriffen. Hiermit ist also 
schon von vorne herein ausgeschlossen, dass man dem ganzen Be¬ 
wusstseinsumfange jemals nahekomme, insofern sich das normale 
Bewusstsein auch nicht für einen einzigen Augenblick nur in einem 
Sinnesgebiet sozusagen anlegen lässt. Versuche nach dieser Richtung 
bei suggestiver Concentration u. dergl. wären ja deshalb immerhin 
noch denkbar. Doch ließe sich auch unter normalen Bedingungen ein 
viel größerer Umfang des gleichzeitigen Wahrnehmungsbestandes ex¬ 
perimentell beherrschen, wozu man wenigstens hei den Versuchen über 
die Leistungsfähigkeit bei gleichzeitiger Störung (vergl. Cap. 5) bereits 
den Anfang gemacht hat. Auch die Concurrenz der Vorstellungs¬ 
klarheit und der äußeren "Willkürhandlung ist hierbei schon in Be¬ 
tracht gezogen worden; doch ist damit bereits eine noch größere 
Complication gegeben, für deren Beurtheilung vorläufig erst einmal 
verschiedene Sinnesgebiete auf die gegenseitige Beeinflussung ihres 
momentanen Klarheitsumfanges untersucht sein müssten. Eine wesent¬ 
liche Bereicherung der allgemeinsten systematischen Gesichtspunkte 
gegenüber der sorgfältigen Untersuchung ein und des nämlichen 
Sinnesgehietes ist indessen von solchen Verallgemeinerungen kaum zu 
erwarten, da ja das Wesen der Vorstellungsconcurrenz überhaupt 
schließlich das nämliche bleiben wird, und außerdem bei der genügend 
erreichbaren Constanz des gleichzeitigen Wahrnehmungsbestandes der 
übrigen Sinnesgebiete schon bei einem Gebiet eine gewisse Reinheit 
der Resultate zu erwarten steht. Dennoch wäre wegen der Ver¬ 
schiedenheit der gegenseitigen Beziehungen simultaner Elemente 
innerhalb der verschiedenen Sinnesgebiete wenigstens jene Ausdeh¬ 
nung der Untersuchung mit gleichartigen Elementen auf andere 
Gebiete werthvoll. Zunächst ist nach dieser zuerst zu besprechen¬ 
den directen Methode der Bestand an simultanen optischen 
Vorstellungen häufiger analysirt worden, nachdem Cattell im 5. Ab¬ 
schnitte seiner mehrfach bedeutungsvollen Arbeit »Ueber die Träg¬ 
heit der Netzhaut und des Sehcentrums«1) zum ersten Male die 
1) Wundt, Philos. Studien IH, S. 94 bezw. 121.
        

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