Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 497 
verschwindet, wo ein ausgedehntes Ganze in seiner Gesammtwirkung 
ohne besondere Concentration seinen eigentlichen Werth besitzt, wie 
z. B. bei vielen auf die allgemeine Stimmung berechneten Kunstwerken. 
Bei der eigenartigen Abhängigkeit der Gemüthsbewegungen von 
den Vorstellungen wäre ferner für den Fall einer thatsächlichen Con- 
currenz natürlich niemals an eine völlige Verdrängung der Gefühle 
durch die Vorstellungen zu denken, da eben jeder Gesammtbestand 
die eigenartige Constitution aus subjectiver und objectiver Seite auf¬ 
weist. Ferner wäre auch innerhalb der Gemütsbewegungen wegen 
der fortwährenden Entstehung von activen Regungen aus den mehr 
passiven Werthgefühlen im engeren Sinne eine völlige Verdrängung 
des einen durch das andere ausgeschlossen, selbst wenn außerdem noch 
ein Concurrenzverhältniss zwischen diesen beiderseitigen Bewusstseins¬ 
inhalten vorhanden wäre. Doch kann man wohl kaum aus der beson¬ 
deren Eigenart der sogenannten suhjectivenBewusstseinsinhalte, der Ge¬ 
müthsbewegungen, sozusagen a priori auf ihre principielle Indifferenz 
gegenüber der Concurrenz um einen Antheil vom Bewusstseinsumfange 
schließen. Bei diesen Erlebnissen, die durchweg von den Vorstel¬ 
lungen und ihren gegenseitigen Verhältnissen abhängig sind, und 
eine Art Reaction des Subjects auf die Vorstellungen bedeuten, 
könnte es ja allerdings fraglich erscheinen, ob sie noch einmal als 
besondere concurrirende Factoren hei der Ausfüllung des Bewusst¬ 
seins in Anrechnung gebracht werden dürfen. Und doch steht die 
jedenfalls unbestreitbare Abhängigkeit der Gefühle von einer be¬ 
stimmten Vorstellungscombination, wonach der nämlichen Configura¬ 
tion der Vorstellungen ungefähr die nämlichen Gefühle entsprechen, 
an und für sich mit der Concurrenzmöglichkeit in gar keinem Wider¬ 
spruche. Bei der Ableitung dieser Abhängigkeit wird ja noch an gar 
keine Variation der für die Ausnützung des Umfanges in Frage kom¬ 
menden Bedingungen gedacht. Man kann nicht a priori sagen, dass 
das Gefühl hei der nämlichen Vorstellungscombination mit derselben 
Klarheitsvertheilung u. s. gl. U. das nämliche wäre, wenn der mög¬ 
liche Gesammtumfang für Bewusstseinsinhalte überhaupt momentan 
ein anderer wäre; es bliebe stets die Frage, ob in den thatsächlich 
gefundenen Gefühls- und Vorstellungserlebnissen nicht immer schon 
die gegenseitige Concurrenz zwischen objectiver und subjectiver Seite 
sich sozusagen ausgewirkt hat, so wie auch bei den innigsten und 
Wundt, Philos. Studien. XX. 32
        

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