Bauhaus-Universität Weimar

Zur Theorie des Bewusstseinsumfanges und seiner Messung. 
Von 
Wilhelm Wirth. 
Leipzig. 
Mit Tafel I—HI. 
1. Kapitel. 
Einleitung und Vorfragen. 
Einleitung. Dass der Umfang unseres actuellen psychischen 
Lebens jeweils ein beschränkter ist und beim Auftreten neuer Vor¬ 
stellungen im Allgemeinen andere zurücktreten müssen, gehört zu 
den selbstverständlichsten Beobachtungen, die sich bei einigermaßen 
zusammenhängender Betrachtung des Seelenlebens aufdrängen müssen. 
Bei derartig oberflächlich schätzenden Ueberlegungen zur Feststellung 
der Begrenztheit des psychischen Lebens überhaupt bleibt es natür¬ 
lich gleichgültig, welche Zeitstrecke des bisherigen Verlaufes ins Auge 
gefasst wird. Die Endlichkeit des schließlichen Gesammtumfanges 
ist noch von Niemandem bestritten worden, der seine Aeußerungen 
unmittelbar auf die Bewusstseinsinhalte bezogen wissen wollte und 
nicht auf eine Actualität im metaphysischen Sinne, wie es z. B. bei 
Leibniz gemeint war. In der früheren Psychologie1) standen nun 
derartige Betrachtungen ziemlich unvermittelt neben dem Versuch, 
vor allem die Entstehung der größeren zeitlichen Zusammenhänge 
von theoretischer und praktischer Bedeutung zu betrachten und 
hierdurch die einfachste Analyse der Vorstellungsqualitäten in großen 
1) Ueber die sonstige Geschichte der Messung des Bewusstseinsumfanges vgl. 
auch G. Dietze, Wundt, Philos. Studien II, S. 362 ff. und Wundt, Philos. 
Studien VI, S. 250 f.
        

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