Bauhaus-Universität Weimar

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W. Weygandt. Beiträge zur Psychologie des Traumes. 
man nichts als den Vorstellungsverlauf jener Träume berücksichtigte. 
Keineswegs aber darf die Bedeutung der wichtigen Thatsache der 
Perseverationstendenz für die Traumvorstellungen überhaupt geleugnet 
werden; als eines der vielen Beispiele hierfür wäre etwa anzuführen 
die bei Gelegenheit des Hungertraumes erwähnte Specialisirung der 
Vorstellung des Hungerstillens durch Maccaroni in Hinblick darauf, 
dass der Beobachter einige Stunden vorher eine derartige Speise ge¬ 
sehen hatte. 
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, näher auf die Frage der 
associativen ^Verbindungen im Traum einzugehen. Ich möchte mich 
vielmehr im wesentlichen auf die Besprechung der Bewusstseinsvor¬ 
gänge beim Einschlafen beschränkt haben. 
1) Es bestehen dauernd gewisse somatische Sensationen, da¬ 
runter auch entoptische und entotische Erscheinungen, welche ebenso 
wie minimale periphere Beize continuirlicher Art im wachen Leben nur 
bei besonderer Aufmerksamkeitsanspannung wahrgenommen werden, 
im übrigen auch starken individuellen Differenzen unterliegen. 
2) In der Zeit vor dem Einschlafen können beim Erschlaffen des 
apperceptiven Denkens die präs omnischen Sensationen auftreten, 
beruhend auf jenen somatischen Sensationen oder auf anderen leichten, 
andauernden Sinnesreizen von der Peripherie her, welche während 
des wachen Lebens nicht in den Blickpunkt des Bewusstseins treten. 
3) Mit dem Moment des Einschlafens, der psychologisch durch 
das Verschwinden des Situationsbewusstseins markirt ist, treten jene 
Sensationen in die Traumvorstellungen über. Es können die präsom- 
nischen Sensationen zu allerlei phantastischen Vorstellungen Anlass 
geben, oder aber der Schlaf tritt ohne das Zwischenstadium jener 
präsomnischen Erscheinungen ein, wobei dann die somatischen Sen¬ 
sationen oder andere continuirlichere Sinnesreize, die zur Zeit des 
apperceptiven Denkens in den Hintergrund des Bewusstseins gedrängt 
waren, deutlicher percipirt werden; die ihnen entsprechenden Vor¬ 
stellungen fügen sich in den Verlauf der associativen Verbindungen 
ein und treten alsbald in den Vordergrund des Traumbewusstseins.
        

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