Bauhaus-Universität Weimar

Beiträge zur Psychologie des Traumes. 
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dort gelegentlich als Reflexhallucinationen oder Reflexillusionen be¬ 
zeichnet worden sind. So äußerte eine Kranke, sobald eine Thüre 
zugeschlagen wurde, stets lebhafte Gefühlsstörungen, rief »Sie brechen 
mich ab!« und suchte sich gegen die vermeintliche schmerzhafte 
Berührung zu schützen. 
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auf die Frage der 
associativen Verknüpfung der Traumvorstellungen eingehen zu wollen, 
da diesen Problemen nicht näher getreten werden kann, ohne die 
Frage der Associationen überhaupt aufzurollen, auch wenn man sich 
auf den Standpunkt versetzt, unter Association nicht eine Bedingung 
für die Reproduction, sondern letztere selbst verstehen zu wollen. 
Zweifellos könnten die Untersuchungen über die associativen Ver¬ 
bindungen nur gewinnen, wenn dabei auch das Material der Traum¬ 
psychologie wie das der Psychopathologie mehr in Berücksichtigung 
gezogen würde. Freilich ist die Beurtheilung des Traummaterials, 
das uns von fremden Beobachtern dargeboten wird, ungemein schwierig. 
Je genauer ein Traum reproducirt wird, um so verwickelter erscheinen 
uns meist die Zusammenhänge. Ein Beispiel hierfür möge folgender 
Traum bieten: Ich dachte beim Einschlafen an eine darstellende 
Künstlerin, die ich einmal in einer ausländischen Stadt gesehen hatte 
und die mir so schön erschienen war, dass man sie sich zur Frau hätte 
wünschen können. Im Einschlafen setzte ich diese Reflexionen fort: 
eine solche Heirath müsste ich freilich vor meinen Verwandten ver¬ 
heimlichen, ich könnte jene als Frau nicht zeigen, aber doch würde ich 
sie in Deutschland versteckt halten. Die Vorstellungsreihe ging weiter : 
»wie etwas Gefährliches hätte ich sie behütet«. Diese Vorstellungs¬ 
reihe war begleitet von den optischen Vorstellungen der Schriftbilder 
Fig. 2. 
jener Wörter, und zwar der stenographischen. An Stelle des Zeichens 
für »hätte« sah ich jedoch das Zeichen für 
»hatte« (Fig. 2), dabei tauchte der jenem 
Zeichen etwas ähnlich sehende, schnörkelhafte 
Schriftzug des türkischen Wappens (Fig. 3) 
optisch vor mir auf, und ich sah mich zugleich 
in die Türkei versetzt. , Der Fortgang der 
associativen Reihe hatte hiet also an èine 
ihrerseits schon nur mangelhaft zutreffende und wenig betonte Be¬ 
gleitvorstellung angeknüpft. Angesichts solcher, wohl nur in seltenen 
Fig. 3. 
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