Bauhaus-Universität Weimar

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A. Yierkandt. 
scheidet und zum Zweck der wissenschaftlichen Verständigung noth- 
wendig unterscheiden muss«, sind ja in Wahrheit »nicht real getrennte 
oder auf ein einziges gleichartiges Element zurückführbare That- 
sachen«, sondern »unauflöslich an einander gebundene Bestandtheile 
unseres geistigen Lebens, so dass irgend ein psychischer Erfolg niemals 
aus einem der Theilinhalte allein, sondern immer nur aus ihrer aller 
Verbindung abgeleitet werden kann«1). Die isolirende Darstellung 
muss diesen Zusammenhang zunächst vernachlässigen; sie kann aber 
»den Fehler einer Umwandlung der Abstractionsproducte in reale 
Vorgänge« durch eine »nachfolgende Synthese« vermeiden. Diese 
Synthese werden wir im Folgenden jedoch zum großen Theil dem 
Leser überlassen. Selbst jene Wechselwirkung zwischen den Einzelnen 
oder zwischen einem Einzelnen und der ihn umgebenden Gruppe, die 
bei jeder einzelnen der im Folgenden erörterten Ursachen zur Geltung 
kommt, werden wir nur theilweise explicite darstellen, in anderen 
Fällen denjenigen Theil der Vorgänge, der sich in dem Einzelnen 
abspielt, isolirt zur Darstellung bringen. — Ein dritter Fehler der 
Darstellung besteht darin, dass sie die Stärke und den Grad der 
Bewusstheit der Processe übertreiben muss. Indem diese in die Sphäre 
der intellectuellen Betrachtung erhoben werden, erscheinen sie uns 
gleichsam wie in einem Hohlspiegel, gesteigert und übertrieben. Es ist 
kaum ganz zu vermeiden, dass »die psychologische und die erkenntniss- 
theoretische Analyse der Thatsachen, die nachträglichen Reflexionen 
des wissenschaftlichen Beobachters und die psychischen Motive der 
Erscheinungen« in einander fließen. »Der Fehler ... ist um so 
schwieriger zu überwinden, weil die logischen Vorgänge, wenn auch 
nicht in der abstracten Form, in der wir sie . . . zu Grunde legen, 
doch immerhin in einer alle anderen psychischen Elemente durch¬ 
dringenden concreten Bethätigung wirklich zu den Grundbestand- 
theilen des seelischen Lebens gehören«2). 
Wir wenden uns jetzt unserem Problem selbst zu. Die Gründe 
für die Erhaltung der festen Formen der Cultur können wir in zwei 
Gruppen eintheilen, je nachdem sie vorwiegend unmittelbar der 
Natur des individuellen Bewusstseins und der Art der innerhalb der 
1) Wundt, Logik 2 H, 2, S. 63. 
2) Wundt, Logik 2 n, 2, S. 61.
        

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