Bauhaus-Universität Weimar

430 
A. Vierkandt. 
werden. Erstens wird die Befriedigung, welche mit den einzelnen 
Genüssen und Gütern des Lehens verbunden ist, wie der Einzelne 
es bei anderen verlaufen sieht, von ihm als Zuschauer in seinem 
Bewusstsein vorweggenommen und wird so für ihn zu einem Motiv 
sein Lehen in dieselben Bahnen zu lenken. Einen Sport wie das 
Radfahren z. B. lernen die meisten Menschen offenbar wegen des 
Genusses, der nach den Schilderungen der in ihm bereits Ein¬ 
heimischen mit ihm verknüpft ist. Ein zweiter Grund liegt in gewissen 
Wirkungen der Suggestion. Wir kommen auf ihn im nächsten Ab¬ 
schnitt zu sprechen und weisen hier nur auf einzelne Beispiele hin, 
wie auf den Einfluss, den oft das suggestiv wirkende Vorbild ein¬ 
zelner hervorragender Persönlichkeiten auf die Berufswahl, oder auf 
denjenigen, den etwa eine herumziehende Indianertruppe auf die 
Spiele der Kinder ausübt. 
Wir kommen jetzt zu einer Reihe von Erscheinungen, die man 
unter den Begriff der Unterordnung subsumiren kann und bei 
denen man auch wohl von der Wirkung eines Unterordnungstriebes 
sprechen darf, falls man die logische Reserve nicht außer Augen 
lässt, die bei der Anwendung eines zusammenfassenden Ausdruckes 
für gewisse complexe Gruppen von Erscheinungen nothwendig ist. 
Es handelt sich hier um die Thatsache, dass der Einzelne sich in 
gewisse überindividuelle Ordnungen, welche theils dem Gebiete des 
Berufslebens, theils dem Gebiet der Sitten insbesondere der Lebens¬ 
formen angehören, willig und mit einer gewissen Freudigkeit einfügt 
und sich ihren Tendenzen auch da, wo sie sich gegen das eigene 
Interesse oder Wohlbefinden richten, nicht widersetzt. Schon beim 
Spiele der Kinder zeigt sich eine derartige Willigkeit der Einordnung 
in die Regeln des Spiels in einer mit der sonstigen Unbändigkeit der 
kindlichen Natur in auffallendem Gegensätze stehenden Weise. Auch 
das Benehmen der Kinder gegenüber den Eltern wird mit von diesem 
Triebe, nicht etwa bloß von der Furcht oder der Liebe bestimmt. 
Im Schulleben der Kinder zeigt sich derselbe Trieb in Gestalt des 
Gerechtigkeitssinnes, der eine verdiente Strafe ohne Auflehnung, ohne 
Hass gegen den Lehrer auf sich nimmt, sowie überhaupt in Gestalt 
der bekannten Thatsache, dass die strengsten Lehrer in der Regel, 
wofern sie nur gerecht sind, sich der größten Zuneigung erfreuen. 
Aehnlich ist aus manchen Schilderungen der Gauner- und Verbrecher-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.