Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ein Versuch, die Methode der paarweisen Vergleichung auf die verschiedenen Gefühlsrichtungen anzuwenden
Person:
Titchener, Edward B.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4489/24/
Methode der paarweisen Vergleichung bei verschied. Gefühlsrichtungen. 405 
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Lust-Unlusttheorie bedeuten. ' Beobachter von verschiedenen Uebungs- 
graden, von verschiedener intellectueller Anlage, haben es bei ver¬ 
schiedenen Reizarten und sowohl bei wissentlichem wie bei unwissent¬ 
lichem Verfahren möglich gefunden, mit Lust-Unlust constant zu 
reagiren. Wir haben keine eindeutige Gefühlscurve gewonnen, die 
nicht mit einer Lust-Unlustcurve identisch wäre4); wir haben Schwan¬ 
kung der Gefühlsreaction und Urtheilsverzögerung nur außerhalb der 
L- U-Dimension angetroffen. Bei Erregung haben wir eine Verschieden¬ 
heit der Curven erhalten, die ganz deutlich auf eine Verschiedenheit 
der Gegensätze Erregung-Beruhigung und Erregung-Depression und 
somit auf die Complicirtheit des mit Erregung benannten Gemüths- 
zustandes hinwiesen. Ich glaubein der That, dass die Wundt’sehen 
Gegensätze Erregung-Beruhigung und Spannung-Lösung nicht Gegen¬ 
sätze der reinen Gefühle, sondern vielmehr Gegensätze der einfachsten 
Gefühlsgebilde, etwa von derselben psychologischen Zusammenge¬ 
setztheit, wie auf der intellectuellen Seite die Stumpf’sehen Ver¬ 
schmelzungen, darstellen. Danach hätten wir im concreten Erlebniss 
angenehme und unangenehme, angenehm-erregende und unangenehm¬ 
erregende, angenehm-beruhigende und unangenehm-deprimirende, u. s. w. 
Gefühle; und die Wundt’sehe Classification wäre ein kaum zu über¬ 
schätzender Beitrag zur Systematik der einfachen Gefühlsgebilde, nicht 
aber ein Wegweiser im Labyrinth der einfachen Gefühlselemente. Dass 
dieser Glaube eben Glaube ist, bin ich mir wohl bewusst. Es wird aber 
wohl von jeder Seite zugegeben werden müssen, dass sich auf der 
Basis der gangbaren Gefühlslitteratur in Bezug auf die Zahl und 
die Natur der einfachen Gefühlsqualitäten gar nichts mit apodiktischer 
Gewissheit sagen lässt; man wird immer wieder auf Wahrscheinlich¬ 
keiten verwiesen. Uebrigens brauche ich kaum zu bemerken, dass 
eine Deutung der physischen Begleiterscheinungen der Gefühle eben 
so gut im Sinne meiner Auffassung wie der Wundt’sehen Theorie 
möglich ist und voraussichtlich möglich sein wird. 
Was endlich den Einschluss der vorhegenden Untersuchung in 
dieser Festschrift betrifft, möchte ich die Thatsache nicht unerwähnt 
lassen, dass dieselbe gar nicht mit polemischer Intention unternommen 
1) Freilich ist nicht zu übersehen, dass dies Resultat bei einer zweidimensionalen 
Darstellungsweise und der Begrenztheit der Versuche nicht beweisend ist.
        

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