Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ein Versuch, die Methode der paarweisen Vergleichung auf die verschiedenen Gefühlsrichtungen anzuwenden
Person:
Titchener, Edward B.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4489/2/
Methode der paar weisen Vergleichung bei verschied. Grefühlsrichtungen. 383 
Bedürfnisse der »zufälligen inneren Wahrnehmung« *) zu befriedigen; 
zweitens gewährt sie der Pathologie eine willkommene Ergänzung 
der psychologischen Gefühlsdaten; drittens steht sie in gutem Ein¬ 
klang mit den Ergebnissen gewisser hypnotischer Y ersuche, und ver¬ 
spricht sogar als Vermittlerin zwischen der Hypnotismuspsychologie 
und der experimentellen Psychologie einzutreten1 2); endlich viertens 
liefert sie eine ungezwungene Deutung der mannigfachen Beobach¬ 
tungen über die physischen Begleiterscheinungen der Gefühle. Darf 
man nun billigerweise von einer Gefühlstheorie noch mehr verlangen? 
Indem ich die oben genannten Vortheile des Wundt’sehen Stand¬ 
punktes bereitwilligst anerkenne, will es mir doch scheinen, dass ihm 
vorläufig eine Stütze fehlt, die er als psychologischer Standpunkt am 
allerwenigsten entbehren kann. Ich meine damit die Stütze des 
psychologischen Experimentes, der planmäßig geregelten Introspection. 
Dass die innere Wahrnehmung für sich allein niemals zur wirklichen 
Beobachtung zu werden vermag, kann heutzutage als selbstverständ¬ 
lich gelten. Aber auch den Ergebnissen der Bewusstseinsanalyse im 
Zustande der Hypnose oder der Geisteskrankheit darf eigentlich für 
die normale Psychologie nur insofern eine Bedeutung zugeschrieben 
werden, als sie eine schon auf gestellte Hypothese bestätigen, hezw. 
zu einer Revision der gangbaren Hypothesen anregen. In diesem 
Sinne leisten sie dem Psychologen eine überaus wichtige Hülfe. Es 
hieße aber geradezu eine Verkennung der Aufgabe der Psychologie, 
wollte man solche unter den verschiedensten Bedingungen gewonnenen 
Resultate ohne weiteres der Psychologie einverleiben und als mit den 
Aussagen des experimentell controlirten normalen Bewusstseins eben¬ 
bürtig behandeln. Was endlich die Ausdrucksmethode betrifft, so 
hat Wundt selbst ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass 
»man niemals aus den physiologischen Symptomen auf das Vor¬ 
handensein bestimmter Gefühle schließen kann . . . Die Ausdrucks¬ 
methode kann immer nur Ergebnisse liefern, die die physiologischen 
Begleiterscheinungen der Gefühle, nicht aber deren psychologische 
Natur aufzuklären im stände ist«3). 
1) Wundt, Logik H. 2, 1895, S. 170. 
2) Wundt, Bemerkungen zur Theorie der Gefühle, Philos. Studien, XV. 
1900, S. 168 ff. 
3) Grundriss der Psychologie, 1896, 103f. Vgl. Logik, a. a. O. S. 223, 227:
        

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