Bauhaus-Universität Weimar

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G. Störring. 
Wir möchten nun den Einzelbegriff gegenüber dem Allgemein- 
begriff abgrenzen. Eiben Einzelbegriff nennen wir jeden Vorstellungs¬ 
inhalt und jede von uns gesetzte concrete Beziehung, wenn dieselben 
als constante Größen in unsem Denkprocessen behandelt werden. 
So stellen die Einzelbegriffe die letzten Elemente unseres Denkens 
dar. 
n. 
Wir hatten oben constatirt, dass in dem Gedanken eines be¬ 
stimmten Allgemeinbegriffs eine Einzelvorstellung eine gewisse Bolle 
spielt. Wir werden uns nun klar zu machen haben, welche Bolle 
die Einzelvorstellung beim Denken des Allgemeinbegriffs übernimmt. 
Wir können zunächst kurz sagen: die Einzelvorstellung wird auf¬ 
gefasst als Stellvertreterin des Allgemeinbegriffs, d. h. wir verbinden 
mit der betreffenden Einzelvorstellung den Gedanken, dass sie nur 
stellvertretenden Werth hat, dass^wir sie, durch eine andere Vor¬ 
stellung einer mit ihr zusammenhängenden Beihe von Vorstellungen 
ersetzen können, ohne unsern logischen Gedankenverlauf zu modi- 
ficiren1). Es fragt sich nun, wie dieser Nebengedanke zu stände 
kommt. In einer Kritik der Wundt’sehen Logik äußert sich Lipps2) 
über die Bedingungen für die Entstehung dieses Gedankens folgender¬ 
maßen: »»Dem Wahlacte, durch den die repräsentative Vorstellung ins 
Bewusstsein gehoben wird, ist das begleitende Bewusstsein wesentlich, 
»dass eine andere Handlung statt der vollzogenen möglich gewesen 
wäre. « Nun kann dies begleitende Bewusstsein sicher auf keine andere 
Weise zu stände kommen, als dadurch, dass neben der repräsenta¬ 
tiven Vorstellung At, wenn auch nur für einen Augenblick, eine be¬ 
liebige andere Vorstellung Ai oder A3 wirklich von mir vollzogen 
wird, und ich mir zugleich bewusst bin, dass dieser Wechsel für das, 
worauf es mir ankommt, nichts verschlägt««. So plausibel diese Ent¬ 
wicklung auch erscheinen mag, so glaube ich doch zeigen zu können, 
dass es nicht richtig ist, dass, wo jener Nebengedanke auftritt, auch 
di4 angegebene Erfahrung gemacht werden muss. 
Nach Wundt charakterisirt sich eine Vorstellung dadurch als 
1) Wundt, Logik I, S. 47. 
2) Lipps, Philos. Monatshefte Bd. 17.
        

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