Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die erkenntnisstheoretischen Voraussetzungen des griechischen Skepticismus
Person:
Richter, Raoul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4484/28/
Die erkenntnisstheoretischen Voraussetzungen des griech. Skepticismus. 273 
Spiel lässt, die zweite Möglichkeit aus. Fragen wir aber nach dem 
Grunde, warum gerade hier jede Beziehung auf die Empfindungen 
fortfällt und der sonst übliche Umweg nicht gewählt wird, so liegt 
er wohl darin, dass es für die Differenz sinnlicher Empfindungen, 
welche durch die Häufigkeit oder Seltenheit der die Empfindungen 
erregenden Objecte zu erklären sei, der Skepsis an Erfahrungen 
mangelte. Sowohl die Ermüdungs- wie die Anpassungserscheinungen 
im Reich der sinnlichen Wahrnehmungen waren ihr natürlich eine 
terra incognita. — 
Wir wenden uns nunmehr den erkenntnisstheoretischen Voraus¬ 
setzungen zu, welche der skeptischen Ethik latent zu Grunde liegen. 
IV. 
Aus diesem ethischen Skepticismus scheiden nun von vornherein 
eine Reihe von Untersuchungen aus, die, so bedeutsam sie in anderer 
Beziehung sein mögen, für die erkenntnisstheoretischen Voraussetzungen 
dieser Schule doch ohne Belang sind. Auf zwei Wegen nämlich 
suchte der Pyrrhonismus die Unerkennbarkeit der sittlichen Werthe 
darzuthun: einmal direct aus der Natur dieser Werthe und der Natur 
unserer Erkenntnisse, und dann indirect durch die zersetzende Kritik 
der bisher mit dogmatischen Ansprüchen aufgetretenen moralphilo¬ 
sophischen Grundanschauungen. So einschneidend und glänzend diese 
Kritik der antiken Skeptiker auch gewesen ist, so enthüllen doch 
ihre Ausführungen in dieser Hinsicht uns nichts von Voraussetzungen, 
die den eigenen ethischen Ansichten der Skepsis zu Grunde lägen. 
Dagegen ergibt sich für die letzteren Material aus der Art, wie diese 
Männer in der directen Analyse der Erkennbarkeit der Werthe vor¬ 
gegangen sind. Es sind vor allem zwei Gedankengänge, aus denen 
wir hier lernen können. Der eine, den negativen Pol der ethischen 
Skepsis zum Ausdruck bringend, beschäftigt sich mit dem Nachweis: 
die ethischen Werthe an sich sind unerkennbar. Der andere, als 
die positive Kehrseite, gibt zu: die Erscheinungen der ethischen 
Werthe sind erkennbar1). Schon diese Ausdrucksweise zeigt an, 
1) Die Lehre von der drapcttfa als dem GUückseligkeitsideal, das durch die 
èito^ erreicht wird, welche man auch als positiven Theil der skeptischen Ethik 
Wundt, Philos. Stadien. XX. 18
        

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