Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die erkenntnisstheoretischen Voraussetzungen des griechischen Skepticismus
Person:
Richter, Raoul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4484/16/
Die crkenntnisstheorctischen Voraussetzungen des griech. Skepticismus. 261 
werden von Sextus oft neben- und durcheinander erwähnt1). Wir 
wollen sie aber der Reihe nach betrachten. 
in. 
Die Voraussetzungen über die Natur der den Wahrnehmungen 
zu Grunde liegenden Dinge enthüllen sich nun am deutlichsten in 
der skeptischen Theorie der Sinneswahrnehmung, wie sieAenesidem 
in seinen berühmten Tropen entworfen und Sextus als festen Bestand 
der Schule übernommen hat2 3). Ich gehe die einzelnen Tropen auf 
ihre erkenntnisstheoretischen Voraussetzungen über die näheren Be¬ 
schaffenheiten der Dinge an sich in der von Sextus befolgten Rang¬ 
ordnung der Reihe nach durch. Dagegen soll auf die Annahme vom 
Dasein der Dinge an sich und der Passivität des Subjects als überall 
diesen Tropen zu Grunde hegende Ansichten nicht näher eingegangen 
werden. Der erste Tropus bietet für die gesuchten Eigenschaften 
noch keine Ausbeute; er lässt nur ahnen, in welcher Richtung diese 
Eigenschaften zu suchen sind. Er schließt von der verschiedenen 
Constitution des Körperhaus, speciell der Sinnesorgane bei den einzelnen 
Lebewesen, dass die gleichen »Außendinge«8) den einzelnen Indi¬ 
viduen verschieden erscheinen werden; und, da es an einem Kriterium 
für die Entscheidung fehlt, die tpavtaotai welcher Lebewesen den 
Vorzug verdienen: »so werden wir zwar zu sagen vermögen, wie von 
uns das Unterliegende angeschaut wird, wie es aber der Natur nach 
ist, darüber werden wir an uns halten«4). Eher wird also aus der 
Divergenz in den sinnlichen Wahrnehmungen der einzelnen Organismen 
über den gleichen Gegenstand die Unerkennbarkeit dieses Gegen¬ 
standes gefolgert. Dies wäre nun an sich noch ganz unverfänglich, 
wenn nicht der begründende Zusatz, es sei unentscheidbar, welcher 
sinnlichen Wahrnehmung der Vorzug gebühre (irpoxpi'vsiv), die Ver- 
muthung nahe legte, dass eine dieser sinnlichen Wahrnehmungen im 
Rechte sein müsse gegenüber den andern, und dass wir nur in Folge 
1) P. I, 17, 23/24 u. a. 
2) Ich lege die Tropen in der Darstellung des Sextus zu Grunde; der Be¬ 
richt des Diogenes wird daneben zu berücksichtigen sein. Dagegen ist derjenige 
bei Eusebius (Praep. ev. XIV, 18) in seiner rhapsodischen Art für unsere Zwecke 
nicht verwerthbar. 
3) P. I, 45. 
4) Ebenda 59.
        

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