Bauhaus-Universität Weimar

Die Entstehung der ersten Wortbedeutungen beim Kinde. jgg 
sehr differenter Gegenstände gebraucht werden, als »Wortverallgemei- 
nerungen« bezeichnet (Ament), oder als Begriffe von großer Allge¬ 
meinheit (Preyer), in beiden Fällen begeht man denselben Fehler, 
man vergegenwärtigt sich 1. nicht, was das Kind eigentlich bezeichnet’ 
2. verdeckt man mit dieser Terminologie den völlig unbegrifflichen alo¬ 
gischen Charakter dieser ersten Bedeutungsbildungen, in Folge dessen 
wird dann 3. in der Regel das ganz besonders wichtige Problem in 
der kindlichen Sprachbildung übersehen, wie aus diesen anfangs 
alogischen associativ gebildeten Wortbedeutungen die eigentlichen 
Begriffe entstehen. 
Ich versuche nun aus Beispielen klar zu machen, wie die associa¬ 
te11 Wortbedeutungen des Kindes in Wahrheit zu denken sind. 
Nehmen wir einen von Romanes mitgetheilten Fall onomatopoeti¬ 
scher Benennung (Preyer S. 299). »Ein Kind, welches zu sprechen 
anfing, sah und hörte eine Ente auf dem Wasser und sagte *kuak«. 
Darauf nannte es einerseits alle Vögel und Insecten, anderseits alle 
Flüssigkeiten kuak. Endlich nannte es auch alle Münzen kuak, nach¬ 
dem es einen Adler auf einem Geldstück gesehen hatte« i). Es be- 
zeichnete also schließlich mit demselben Worte so verschiedenartige 
Gegenstände wie die Münze, die Fliege und den Wein. Preyer 
deutet das natürlich als allmähliche Verallgemeinerung eines Begriffs. 
Dies ist ebenso falsch, wie wenn Rzesnizek in dem Uebertragen des 
Wortes kuak auf die Münze ein bloßes Verblassen der ursprünglichen 
Bedeutung sieht (Rzesnizek S. 18). Wir müssen hierbei zwei Stadien 
der Wortbildung von einander trennen, die Ausdehnung des oinma.1 
gewonnenen Wortes kuak von den Vögeln auf die Münze; diese ist 
nichts anderes als associative Uebertragung durch Simultaneität und 
zeigt die reine Wirksamkeit der Association. Sie folgt dem Schema, 
was bei Gelegenheit des Aktes der Benennung gleichzeitig in den 
Blickpunkt der Aufmerksamkeit fällt, das associirt sich mit der Be- 
hennung und wird in die Wortbedeutung aufgenommen. Hier haben 
wir zugleich ein besonders deutliches Beispiel von dem völlig alogi¬ 
schen, rein associativen Charakter der kindlichen Bedeutungsbildung, 
denn die Münze wird wirklich als neuer Wortinhalt aufgenommen, 
aber die Verschiedenartigkeit der bezeichneten Gegenstände (Münze 
1) Nämlich auf einem Sous. 
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