Bauhaus-Universität Weimar

Die Entstehung der ersten Wortbedeutungen beim Kinde. 
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jm weitesten Sinne des Wortes — Rückschlüsse machen auf den 
geistigen Inhalt, den es äußern will, und wir können für unsere 
Deutung dieser Aeußerungen höchstens eine gewisse objective Veri¬ 
fication erlangen durch die Art und Weise, wie das Kind seine 
Worte und bezeichnenden Gebärden verwendet, um uns von Will- 
kiirlichkeiten in der Interpretation seiner Sprachanfänge frei zu machen. 
Es kommt hinzu, dass die allgemeine geistig-körperliche Unreife des 
Kindes in dieser Periode (es handelt sich im Durchschnitt um die 
Wende des ersten Lebensjahres und das zweite Jahr) die Deutung 
seines geistig-körperlichen Lehens erschwert. Es ist daher kein 
Wunder, dass gerade an diesem Punkt der Erforschung der Kinder¬ 
sprache die Meinungen der Beobachter am weitesten auseinander¬ 
gehen und dass die verschiedenen philosophischen und sprachwissen¬ 
schaftlichen Standpunkte hier einen gewissen Einfluss auf die Deutung 
der Kindersprache und ihrer Entwicklung gewinnen. 
So kümmerlich auch die Erforschung der Kindersprache im ganzen 
noch ist, so können wir doch schon behaupten, dass die Lösung des 
Problems, wie die ersten Wortbedeutungen des Bandes entstehen, 
eine Geschichte hat. Die ersten deutschen Erforscher der Kinder¬ 
sprache, insbesondere Sigismund, Lindner und Preyer glaubten 
aus der Art und Weise, wie das Kind seine ersten Worte verwendet, 
schließen zu müssen, dass sie wesentlich den Charakter von Begriffen 
tragen, die durch eine hohe, ja unter Umständen wahrhaft kühne 
Abstraction auf Grund eines leichten Herausfindens der Aehnlichkeit 
von Wahrnehmungs-Umständen gewonnen seien, und mit weitestem 
Umfang verwendet würden. Das Kind sollte nach dieser Auffassung 
im Besitz aller logischen Functionen sein, längst ehe die Sprache 
beginnt. Eine ähnliche Ansicht vertraten die ersten französischen 
Forscher, insbesondere Perez, Oompayré und Taine. Der sehr 
unkritische und in Deutschland überschätzte Compayré argumentirt 
einfach so: »In der Entwicklung des Urtheilens und Schließens gibt 
es zwei deutlich unterscheidbare Perioden«, nämüch eine vorsprach¬ 
liche und eine, die sich unter dem Einfluss der Sprache gestaltet1) 
u- s. w. Compayré setzt also einfach voraus, dass vor dem Beginn 
des Sprechens Urtheile gefällt und Schlüsse gezogen werden. Die 
1) Compayré S. 25. — Alle Titel der von mir benutzten Werke sind am 
Schlüsse aufgeführt.
        

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