Bauhaus-Universität Weimar

Die Entstehung der ersten Wortbedeutungen beim Kinde. 
Von 
E. Meumann. 
(Zürich.) 
Die Entwicklung der ersten Wortbedeutungen bei dem sprechen¬ 
lernenden Kinde ist das schwierigste Problem der kindlichen Sprach¬ 
entwicklung überhaupt. Die Gründe für diese Behauptung lassen sich 
leicht angeben. Unser einziges Mittel, die Entwicklung der Kinder¬ 
sprache zu beobachten, ist äußere Wahrnehmung und Beobachtung. 
Nun ist bei allen andern Fragen der Entwicklung der kindlichen 
Sprache die äußere Beobachtung als das ganz oder zum Theil adäquate 
Forschungsmittel zu betrachten, denn wir haben es dabei entweder 
zu thun mit der lautlichen Seite der Sprache, welche ganz der äußeren 
Beobachtung zugänglich ist, oder mit der grammatischen Entwicklung 
— auch diese ist zum größten Theil Gegenstand der äußeren Be¬ 
obachtung —, oder wenn wir die Wortbedeutungen des Kindes in 
späteren Stadien seiner Entwicklung zu verfolgen haben, so ist 
immerhin ein gewisser sprachlicher Austausch mit dem Kinde mög¬ 
lich; wir können einigermaßen durch Fragen und Antworten fest¬ 
stellen, was es mit seinen Worten meint, und das ganze geistige 
Leben des Kindes ist in dieser Zeit schon nicht mehr so verschieden 
von dem des Erwachsenen, dass wir nicht einigermaßen im Stande 
wären, den Sinn seiner Worte nach Analogie der eigenen Wort¬ 
bedeutung zu erfassen. Dagegen sind wir in jener Periode, in der 
das Kind seine ersten Wortbedeutungen gewinnt (sei es, dass man 
damit die ersten Anfänge des Sprachverständnisses oder des spontanen 
Sprechens meint), auf eine sachlich ungenügende Forschungsmethode 
beschränkt. Wir müssen aus Aeußerungen des Kindes — Aeußerungen
        

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