Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einleitung in die allgemeine Theorie der Mannigfaltigkeiten von Bewusstseinsinhalten
Person:
Lipps, Gottlieb Friedrich
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit4480/5/
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Gotti. Friedr. Lipps. 
Zuerkennen oder Absprechen ist ein positives oder negatives Urtheil. 
Die angegebene Bestimmung des Gegenstandes vollzieht sich somit 
in positiven und negativen Urtheilen. 
Da zu den in einen Verein zusammengefassten Bestimmungen 
noch weitere, die dem nämlichen Vereine zugehören, hinzutreten 
können, so ist zwischen vollständiger und unvollständiger Bestimmung 
eines Denkgegenstandes zu unterscheiden. Ein Gegenstand ist voll¬ 
ständig bestimmt, wenn von jeder überhaupt vollziehbaren Bestim¬ 
mung feststeht, oh sie dem Gegenstände zukommt oder nicht zu¬ 
kommt. In den Urtheilen, welche dies entscheiden, bietet sich die 
von dem Gegenstand vorhandene Erkenntniss oder der Begriff des 
Gegenstandes dar. Ein vollständig oder unvollständig bestimmter 
Gegenstand ist daher ein vollständig oder unvollständig erkannter 
oder begriffener Gegenstand. Hiernach ist die Zusammengehörigkeit 
und Vereinbarkeit von Bestimmungen als eine durch das Erkennen 
oder Begreifen bedingte zu bezeichnen. Je nach den Zielen und 
Bedürfnissen des Erkennens werden demgemäß verschiedene Motive 
zur Bildung und Abgrenzung der in den Gegenständen vorhegenden 
Vereine von Bestimmungen maßgebend sein. 
Es sind anderseits selbständig und unselbständig bestehende 
Gegenstände des Denkens zu unterscheiden. Denn eine und dieselbe 
Bestimmung kann verschiedenen Gegenständen angehören; in gleicher 
Weise können mehrere, zu einem Vereine zusammenfassbare Bestim¬ 
mungen an verschiedenen Gegenständen haften. Da nun die einzelne 
Bestimmung ebenso wie der Verein, für sich allein, als Gegenstand 
besteht, so kann demzufolge ein Gegenstand in einem anderen 
Gegenstände sich darbieten: er ist in diesem Falle ein unselb¬ 
ständig existirender Gegenstand. Ein Gegenstand ist hingegen selb¬ 
ständig, wenn die ihm zukommenden Bestimmungen keinem um¬ 
fassenderen Vereine gegenständlich vorliegender, zusammengehöriger 
oder miteinander verträglicher Bestimmungen angehören. Ein 
solcher Gegenstand ist ein in räumlicher und zeitlicher Bestimmtheit 
bestehendes Einzelding. Es existirt als Träger eines keiner Er¬ 
gänzung oder Erweiterung fähigen Vereins von Einzelbestimmungen. 
Demgemäß ist jeder Denkgegenstand entweder ein Einzelding oder 
er wurzelt in Einzeldingen, sofern er auf einer irgendwie begrün¬ 
deten Abgrenzung von Bestimmungen an Einzeldingen beruht. Die
        

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