Bauhaus-Universität Weimar

24 
Ludwig Lange. 
anerkannt werden. Im Anschluss an Laplace, der von den Newton- 
schen Festsetzungen nur darin abweicht, dass er die Realität oder 
Idealität des absoluten Raumes dahingestellt sein lässt, wird ein 
»unbeweglicher und für die Materie durchdringlicher« Raum voraus¬ 
gesetzt, auf den die absoluten Bewegungen zu beziehen seien. Ist 
in den Laplace’schen Worten mit »Unbeweglichkeit« lediglich 
»Starrheit« des Raumes gemeint, so springt nach den eben erst ge¬ 
machten Ausführungen die Unbestimmtheit und Unzureichendheit 
jener Voraussetzung in die Augen, wie denn auch Neumann selber 
später zeigt, dass das Kriterium der Starrheit nicht genügt, dass 
vielmehr zahllose starre Coordinatensysteme existiren bezw. möglich 
sind, die sich wegen Drehung oder Beschleunigung gegen den »abso¬ 
luten Raum« ganz und gar nicht dazu eignen, der Dynamik zu 
Grunde gelegt zu werden56). Ist aber das Wort »unbeweglich« bei 
Laplace nicht im Sinne von »starr« verstanden, so erhebt sich 
sofort die Frage: »in Bezug worauf unbeweglich?«, und die ganze 
Fiction zerrinnt abermals in den Nebel der Sinnlosigkeit. Beachtens- 
werth ist dagegen an Neumann’s Erklärung, obschon diese, wie 
bereits gesagt, den Werth einer Definition nicht besitzt, die Betonung 
des Umstandes, dass das Bezugssystem der Dynamik ein einheitliches 
sein muss. Diese Stipulirung ist zwar einerseits übertrieben, insofern 
jedes von den unzähligen Inertialsystemen gleich geeignet zum dyna¬ 
mischen Bezugssystem ist, aber anderseits sucht sie doch dasjenige, 
was den eigentlichen Kern des Beharrungsgesetzes ausmacht, nämlich 
die Geradlinigkeit der Bahnen beliebig vieler unbeeinflusster Punkte 
bezüglich eines und desselben Systems, zum Ausdruck zu bringen. 
Allein, da Neumann von der phoronomisch nachgewiesenen That- 
sache, dass die geradlinige Bewegung von Punkten bis zur Dreizahl 
lediglich Convention ist und mehr als eine solche erst bei Ueber- 
schreitung der Dreizahl wird, keine Notiz nimmt, fehlt seiner Dar¬ 
stellung der Eck- und Schlussstein. Den Körper »Alpha« scheint 
Neumann aufgegeben zu haben, wenigstens erwähnt er ihn in den 
»Grundzügen« mit keinem Worte. 
Im Jahre 1889 erschien die zweite Auflage von Mach’s Mechanik. 
In dieser, wie in allen späteren Auflagen des classischen Werkes 
schreibt Mach57) nach einer eingehenden Widerlegung der Streintz- 
schen Formulirungen: »Die Lange’sche Schrift58) scheint mir zu
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.