Bauhaus-Universität Weimar

Beobachtungen an Zweiklängen. 
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unter einander in einer annähernd verticalen Ebene, deren Entfernung 
von dem (meist senkrecht gehaltenen) Kopfe unbestimmt blieb. Dem 
tiefsten Tone entsprach der unterste Streifen u. s. f. ; relativ deutliche 
und klare, wie auch hohe Töne prägten sich in dünneren und klare¬ 
ren Linien aus, die verschwommenen und alle tiefen Töne in mehr 
oder weniger breiten Streifen; zwei nahe benachbarte, ganz oder 
theilweise mit einander verschmelzende Töne bildeten regelmäßig ein 
ziemlich breites und in sich ungleichartiges Elächenstück mit ver¬ 
schwommenen Rändern. Erst im Laufe der genaueren Analyse eines 
Klanges bildete sich das System solcher horizontalen Linien und 
Streifen bestimmter aus; zunächst standen immer nur wenige breite 
Felder unter einander, nach allen Seiten unsicher begrenzt und im 
Inneren wenig homogen. Die optischen Bilder der Schwebungen, die 
meistens zuerst beachtet wurden, hatten keine Beziehung zu diesen 
Streifen und Linien ; auch sie waren ohne bestimmte Entfernung von 
dem Körper des Beobachtenden. 
Ich bemerke hierzu, dass ich hei der Analyse von Tongemischen 
oft ganz ähnliche Linien- und Streifensysteme vorstelle, wie die eben 
beschriebenen. Nur sind die Formen vielleicht weniger markant. Am 
auffallendsten war mir die Uehereinstimmung mit St hinsichtlich der 
Art, wie auch mir die tiefen und die nahe benachbarten, innerhalb 
eines Zwischentonbereichs gelegenen Töne sich darstellen, im Gegen¬ 
satz zu hohen und isolirten Tönen. Färb en Vorstellungen, die ich 
zu successiven Toneindrücken (Melodien und namentlich Tonleitern) 
recht deutlich zu associiren pflege, fehlten bei den Stimmgabelklängen 
fast ganz. St bemerkte nichts dergleichen. 
5. Der Gefühlseindruck. 
Die Regelmäßigkeiten der wechselnden Gefühlsbetonung müssen 
noch systematischer untersucht werden: mit intensiv möglichst genau 
ahstufbaren Tönen, mit Hülfe objectiver Methoden (z. B. Messung 
der Puls- und Volumenschwankungen) und getrennt von der Analyse 
der Empfindungen. Meine Untersuchung galt weniger den Gesammt- 
eindrücken als den darin enthaltenen Theilempfindungen und Theil- 
complexen. Auf die Zerlegung der Klänge in ihre Theile war die 
Aufmerksamkeit der Beobachter gewohnheitsmäßig eingestellt; mehrere,
        

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