Bauhaus-Universität Weimar

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Felix Krueger. 
Genauigkeit des Urtheils, als dass sie einen Ton für den Hauptträger 
der S und vielleicht einen oder zwei für glatt erklären. Yon den 
Differenztönen scheint fast immer der, den man für den stärksten hält, 
zunächst an den S betheiligt, was freilich in den meisten Fällen der 
genaueren Analyse sich bestätigt. Harmonische Theiltöne, namentlich 
im Octavenverhältniss stehende, von denen einer thatsächlich schwebt, 
sind gerade in dieser Hinsicht schwer auseinanderzuhalten. Die rein 
musikalische Uebung scheint auch hier die Sicherheit und Genauigkeit 
des Urtheils wenig zu fördern. Relativ leise und undeutliche Schwe¬ 
bungen sind natürlich im Punkte der Tonhöhe unbestimmter als 
mittelstarke. Die stärksten S wiederum scheinen am ehesten, regel¬ 
mäßig im Anfang, über den ganzen Toncomplex sich zu verbreiten. 
Wer zum ersten Male Schwebungen genauer analysirt, hat häufig 
den Eindruck rascher Höh en Schwankungen der betheiligten Töne. 
Selbst das erlesene Ohr eines Joachim konnte, wie Stumpf be¬ 
richtet, gelegentlich sich diesem Eindrücke nicht entziehen. Theo¬ 
retisch haben mehrere Akustiker, darunter Helmholtz, auf verschie¬ 
denen Wegen solche Höhenschwankungen als noth wendig zu erweisen 
versucht1), wobei die Unkenntniss der erst von Stumpf gefundenen 
(bei Differenztönen bisher stets übersehenen) Thatsache des Zwischen¬ 
tones wesentlich mitwirkte. In meinen Versuchen wurde ein so er¬ 
heblicher Wechsel der Tonhöhe, wie er nach Helmholtz und anderen 
gar nicht selten eintreten müsste, niemals beobachtet. Minimale 
Schwankungen wurden nur ganz ausnahmsweise (bei 256 -f- 268 bis 
+ 280, einmal bei 256 + 560) von ungeübten Beobachtern constatirt. 
Wer solche Untersuchungen öfter angestellt hat, glaubt zuweilen noch 
auf den ersten Eindruck hin einen schwebenden Ton periodisch in seiner 
Höhe schwanken zu hören, corrigirt jedoch dieses Urtheil sehr bald in 
der Weise Stumpf’s: es handelt sich thatsächlich immer um bloße 
Aenderungen der Klangfarbe (Aufhellung beim Schwebungsmaximum), 
vielfach auch um einen raschen Wechsel der Aufmerksamkeitsrichtung. 
4. Optische und andere Associationen. 
Wenn für St die vorhin beschriebenen rhythmischen Erscheinun¬ 
gen überraschend wenig ausgeprägt waren, so lag das wahrscheinlich 
1) Litteratur und eigene Beobachtungen bei Stumpf, S. 471 ff.
        

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