Bauhaus-Universität Weimar

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Julius Zeitler. 
sinkt die Procentziffer der objectiv gegebenen Buchstaben, die noch 
in dem subjectiven Wortbild enthalten sind, stetig, ohne dass daraus 
aber ein Schluss auf die Gfradabstufung von der objectiven Apper¬ 
ception bis zur 'subjectiven Illusion gemacht werden könnte. 
2. Die Assimilationen bei Vexirversuchen. Diese sollen 
später ausführlich behandelt werden. Sie stellen eigentlich eine ähn¬ 
liche Versuchsgruppe dar, wie die vorhergehende. Wenn in einem 
Wortbild ein oder mehrere Buchstaben verändert werden, so ist da¬ 
mit der vorigen Art von Assimilationen kein Eintrag gethan. Sie 
gehen vor sich, unbekümmert um die objective Veränderung, wenn 
nur die allgemeine Wortform gewahrt bleibt. Wird aber durch eine 
besondre Disposition oder Richtung der Aufmerksamkeit der ver¬ 
änderte Buchstabe erkannt, so determinirt er die Assimilation, jedoch 
nur in dem Sinn, dass er ihrem Ablauf eine allgemeine Richtung 
gibt. Der Buchstabe hemmt das Anschießen der richtigen Assimi¬ 
lation, begünstigt aber um so mehr das Eintreten falscher. 
Da hier nur die Wortform beurtheilt werden soll, so kann auf 
die genauere Analyse dieser Vexirversuche erst später eingegangen 
werden. Jedenfalls steht fest, dass die Wortform und mit ihr im 
Zusammenhang die Wortlänge nur vorbereitenden Charakter tragen, 
aber für die Apperception keine ausschlaggebende Bedeutung besitzen. 
Thre Bedeutung hegt vielmehr in der Begleitung und Unterstützung 
der Wirkung der dominirenden Buchstaben, in dem allgemeinen 
Ueberblick über das Object. 
Hinge die Apperception nur von Wortlänge und Wortform ab, 
so fände entweder überhaupt keine Erkennung statt, oder — und 
das bei Beobachtern mit einem reichen Phantasieleben besonders — 
eine Fehlassimilation. 
b. Zur Theorie der »determinirenden< Buchstaben. 
Von den Hypothesen der Psychiater, die für das successiv buch- 
stabirende Lesen eintreten, kann nach der Kritik, die ihnen Erdmann 
widmete, abgesehen werden. Eine bestimmte Varietät jedoch, nämlich 
die Hypothese der determinirenden Buchstaben von Goldscheider- 
Müller1) ist zu wichtig, als dass sie übergangen werden dürfte. 
1) Goldscheider u. R. F. Müller, Zur Physiologie und Pathologie des 
Lesens. Zeitschr. f. klin. Med. XXIII. Berlin 1893. 8. 131 ff.
        

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